Beobachten und beschreiben: Ausstellungssujet "Maiwiese" von Brigitte Stenzel. - © Walter Bayer
Beobachten und beschreiben: Ausstellungssujet "Maiwiese" von Brigitte Stenzel. - © Walter Bayer

Auf den Knien liegt er, vor einem Thymianbusch, ein Vergrößerungsglas in der Hand, auf dem Kopf einen Filzhut. Jean-Henri Fabre ist gebannt von den Vorgängen, die sich vor ihm abspielen: Eine Sandwespe ist auf Beutejagd. Sie scharrt am Strunk des Stocks, steckt ihren Kopf unter lose Erdkrumen. Und tatsächlich, es gelingt, einen großen grauen Wurm, aufgeschreckt durch die Aktivitäten nahe seines unterirdischen Verstecks, herauszutreiben. Und prompt ist es um ihn geschehen.

Dass diese detaillierte dramatische Schilderung noch heute, mehr als 120 Jahre, nachdem Fabre (1823-1915) sie zu Papier brachte, spannend zu lesen ist, verdankt sich der Sprache des Südfranzosen, der sich, in eine arme Bauernfamilie geboren, zäh und ehrgeizig zum Lehrer für Mathematik und Physik hocharbeitete und sich viele Jahrzehnte autodidaktisch dem Studium der Insekten widmete. Denn Fabre, von seinem Zeitgenossen, dem Romancier Victor Hugo, zum "Homer der Insekten" erhoben und von Charles Darwin als "observateur inimitable", als unnachahmlicher Beo-bachter, gepriesen, schrieb in einem Stil, der biegsam und farbig, voller pittoresker Einzelheiten, unterhaltsam und stets dem Konkreten verpflichtet ist. Frei von akademischer Nüchternheit, handelt es sich, so Fabre ganz richtig, um "exakte Aufzeichnungen beobachteter Vorgänge". In eine andere Sprache übersetzt: Es ist Nature Writing.

1879 erwarb Fabre für sich und seine vielköpfige Familie ein Haus in Sérignan-du-Comtat im Vaucluse, zwischen Mont Ventoux und dem Rhonetal, heute Museum und Gedenkstätte, wo man den winzigen Schreibtisch des Insektenkundlers und Naturforschers bewundern kann. Der Garten war sein Freiluftlaboratorium. 1879 erschien auch der erste Band seiner gesammelten entomologischen Studien, deren zehnter und letzter 1907 herauskam. Wohl diesen Herbst wird die erste deutsche Gesamtübersetzung endgültig komplett vorliegen.

Eine Frau, Anfang 50, watet durch das Watt und Strände entlang, den Blick gebeugt über Tümpel, Wasserlöcher oder auf die Meeresoberfläche gerichtet. Sie schaut aber auch nach oben, beobachtet die Vögel und deren Verschwinden. Im September 1962 erscheint ihr Buch, das sich bis heute millionenfach verkauft und wohl den nachhaltigsten Einfluss auf die chemische Industrie hatte. "Der stumme Frühling" von Rachel Carson (1907-1964), Zoologin und Beamtin in einer nachgeordneten Umweltschutzbehörde, führte dazu, dass das bis dahin massenhaft versprühte Pflanzenschutzmittel DDT weltweit verboten wurde.