Noch bis 2. April können Besucher des Naturhistorischen Museums in Wien die Welt mit den Sinnen von "Hund & Katz", so der Titel der entsprechenden Sonderausstellung, erleben. Spiele und Computeranimationen, bei denen der Mensch auch in die Haut der Vierbeiner schlüpfen kann, sollen einen Vergleich der körperlichen Fähigkeiten ermöglichen, Informationen über Körpersprache und Lautäußerungen vermitteln und so zu einem besseren Verständnis des Verhaltens der mindestens 600.000 Hunde und 1,5 Millionen Katzen in Österreich beitragen.

Zeitweilig scheint die Grenze zwischen Mensch und Tier aufgehoben . . . - © Francesco Carta/Getty Images
Zeitweilig scheint die Grenze zwischen Mensch und Tier aufgehoben . . . - © Francesco Carta/Getty Images

Die Erkundung von Tierwelten liegt im Trend, nicht nur im Ausstellungswesen. Im deutschsprachigen Raum entstehen seit einigen Jahren immer mehr Projekte im interdisziplinären Forschungsfeld "Human-Animal-Studies", das sich mit dem Verhältnis von Mensch und Tier auseinandersetzt. Neu dabei ist, dass "das Tier als Subjekt, Akteur und Indivi- duum in den Mittelpunkt des Interesses gerückt und nicht nur als kultureller Gegenstand oder Symbol menschlicher Gesellschaften betrachtet wird", wie es in "Human-Animal-Studies", einer bei UTB erschienenen Einführung für Studierende und Lehrende, heißt.

In Wien befasst man sich unter anderem an der Veterinärmedizinischen Universität und am Institut für Philosophie der Universität mit der Erforschung von tierethischen Fragen und von Schnittpunkten und Wechselwirkungen zwischen tierischen und menschlichen Gesellschaften.

Das gestiegene Bewusstsein, dass Tiere unabhängig vom Menschen ihre eigenen Existenzen und Lebensweisen haben und es nicht nur eine Welt aus Menschenperspektive, sondern viele Welten aus Tierperspektiven gibt, hängt auch mit Veränderungen in Gesellschaft und Wissenschaft zusammen. Ökologische Fragen rund um Massentierhaltung, Insektensterben, gesunde Ernährung und ethische Fragen wie die rund um Tierrechte, die Vermenschlichung von Haustieren, die Ausbeutung von Nutztieren und die Bekämpfung sogenannter Schädlinge bewegen größere Bevölkerungsschichten als früher.

In den Human- und Sozialwissenschaften geraten nicht mehr nur Formen der Hochkultur, sondern auch zunehmend Alltagskultur und populäre Kulturformen in den Fokus, was zu neuen Blickwinkeln und kritischer Hinterfragung bisheriger Ansätze führt. Die ebenfalls recht jungen "Science and Technology Studies" stellen den herkömmlichen Natur-Kultur-Dualismus in Frage und zeigen über die Verflechtungen technologischer, biologischer und menschlich-sozialer Systeme auf, dass der Mensch in diesem System nicht allein Handelnder ist.