Gemeinhin macht Christian Thielemann einen weiten Bogen um Gustav Mahler; bei den Salzburger Osterfestspielen hat er sich mit der Sächsischen Staatskapelle Dresden nun aber die "Dritte" vorgeknöpft. Thielemann begibt sich auf Augenhöhe mit dem Komponisten; man verkehrt quasi als Orchester-Handwerker miteinander. Um sagenhafte Genauigkeit bemüht sich Thielemann in diesen fast 95 Minuten. Er ist pingelig bedacht aufs Befolgen der Tempoangaben, in denen rund ein Dutzend Mal "nicht eilen" steht. Thielemann nimmt sich also für die "Dritte" alle Zeit der Welt, der hiesigen und der transzendentalen. Er kann drauf zählen, dass der Staatskapelle der Atem nicht verloren geht. Thielemann "interpretiert" da nicht viel herum, er lässt spielen, und zwar so, dass man wirklich viel mitbekommt von den unzähligen Auffälligkeiten der Instrumentation.

Schwerelose Szenerie


Mit dem "Misterioso" kam Elina Garanča. Das "Oh Mensch! Gib acht!" lässt sie einfach so aus sich heraus strömen, ohne Vibrato, ohne irgendwelche aufgesetzten Akzente, als sei’s die natürlichste Sache der Welt. "Doch alle Lust will Ewigkeit"? Natürlich ein Crescendo, natürlich ein Höhepunkt - aber ein mit Augenmaß und Disziplin angesteuerter. Nach solcher Dichte muss einfach das "Bimm bamm" kommen, müssen die Engel mit den himmlischen Freuden herausplatzen. Der "Salzburger Festspiele und Theater Kinderchor" und die Damen des Wiener Singvereins (Einstudierung: Wolfgang Götz, Johannes Prinz) haben beigetragen zur Schwerelosigkeit dieser Szenerie weit jenseits aller Gravitationskraft.

Konzert

Sächsischen Staatskapelle

Osterfestspiele Salzburg