Tigran Hamasyan ist ein Phänomen. Der 30-Jährige verschmilzt armenische Folklore mit Klavierjazz, und er liefert dabei keineswegs Allerweltsmusik. Das liegt einerseits daran, dass die Tonkunst seiner Heimat vor feinen Ornamenten, Melodiekringeln und vertrackten Rhythmen strotzt - aber auch daran, dass er sie subtil mit seinen Improvisationen verzwirbelt. Hamasyan, auch wegen seiner gesummten Melodien und zarten Elektronik-Beimischungen unverkennbar, hat diese Handschrift auf neun Alben perfektioniert.

Diesen Stil bietet nun auch seine Solo-EP "For Gyumri" - sie begeistert aber nicht restlos. Hamasyan hat all dies schon bezwingender gespielt. Rüttelte er mit "Mockroot" (2015) fast zu sehr am Nervenkostüm der Hörer, stehen die Zeichen heute auf milde Mischung: Hamasyan hat es sich in der Alleinstellungsnische etwas zu gemütlich gemacht. Live freilich empfohlen, auch wegen des älteren Materials.

Am 30. Mai im Mozart-Saal im Wiener Konzerthaus.