"Mein Stil ist nun einmal essayhaft": Heinrich Steinfest im elterlichen Garten in Wien. - © Jaschke
"Mein Stil ist nun einmal essayhaft": Heinrich Steinfest im elterlichen Garten in Wien. - © Jaschke

Tatsächlich - seine Hose hat Bügelfalten. Darauf haben Journalisten und Leser bei Heinrich Steinfest, dem Schöpfer des einarmigen Detektivs Cheng und wahrhaft phantastischer Romanwelten, neuerdings ein Auge. Denn die Protagonistin seines neuen Romans "Die Büglerin" ist eine Frau, die Bügeln zum Beruf macht - mehr als das: Bügeln zur Kunst erhebt. Das Detailwissen in der Beschreibung dieser Kunst könnte glauben machen, Steinfest übe sie selbst regelmäßig aus.

"Ich habe tatsächlich in meinem Leben zum Broterwerb viel mit haushälterischer Tätigkeit zu tun gehabt. Gebügelt habe ich allerdings nie", erzählt der Autor beim Interview mit der "Wiener Zeitung" in seinem elterlichen Haus in Wien-Inzersdorf, das auch ein Schauplatz in seinem letzten Roman, "Das Leben und Sterben der Flugzeuge", ist: als Treffpunkt zweier Spatzen, die zu einer heiklen Mission aufbrechen.

Tatsächlich schwirren, wie das ständige Zwitschern im idyllischen Garten akustisch belegt, viele Vögel hier am südlichen Stadtrand herum - während des Gesprächs lässt sich zum Beispiel ein unglaublich schöner Eichelhäher sehen -, Spatzen sind allerdings schon seit Längerem keine mehr da. Heinrich Steinfest, der schon vor mehr als zwei Jahrzehnten aus privaten und arbeitstechnischen Gründen seinen Lebensmittelpunkt nach Stuttgart verlegt hat, kommt dagegen nach wie vor regelmäßig hierher.

Ob er sich im Grunde immer noch als Wiener fühlt? "Ich werde nie aufhören . . .", setzt Steinfest an, unterbricht sich aber und erläutert: "Als Stuttgarter bin ich ein wienerischer Stuttgarter. Ich werde, wenn ich zurückkomme, kein stuttgarterischer Wiener sein."

Heldin oder Versagerin

"Wiener oder Wienerin war man, wie man des Todes war. Unausweichlich", heißt es an einer Stelle in "Die Büglerin". "Es wäre nicht fair zu sagen, das gilt nur für Wiener", meint der Autor. "Aber ich glaube, es gibt Städte, die intensiver als andere auf die dort lebenden Personen abfärben. Wien gehört dazu".

Tonia, die "Büglerin", ist Wienerin. Sie ist zwar auf einem Schiff im Pazifik irgendwo bei der Chilenischen Schwelle geboren worden und in Italien ins Internat gegangen, bezieht aber in Wien nach dem Segeltod ihrer Eltern deren Villa und wird Meeresbiologin. Als sie eines Tages mit ihrer Nichte, die sie wie eine eigene Tochter liebt, im Kino "Mission Impossible" ansieht, bemerkt sie direkt vor sich einen Mann, der mit einem Revolver hantiert. Bei Tonias Versuch, ihn zu überwältigen, lösen sich Schüsse aus seiner Waffe, von denen einer ihre Nichte tötet, ehe der vermeintliche Attentäter sein einziges Ziel, nämlich sich selbst umzubringen, verwirklicht.