Wenn Kriminalisten kochen: Walker setzt auch Frankreichs Küche literarisch in Szene. - © Diogenes/Schweitzer
Wenn Kriminalisten kochen: Walker setzt auch Frankreichs Küche literarisch in Szene. - © Diogenes/Schweitzer

Eine lange wenig bekannte Gegend erobert die Gunst der Touristen: das Périgord. Ausgerechnet ein Schotte rückt die Region im Südwesten Frankreichs liebevoll und kenntnisreich in den Fokus. Der Journalist, Historiker und Romanautor Martin Walker schuf mit dem französischen Polizisten Bruno eine literarische Kultfigur. Der Intellektuelle mit Oxford-Vergangenheit war 25 Jahre Redakteur bei der Londoner Zeitung "The Guardian" und verfasste Sachbücher über den Kalten Krieg. Heute leitet der 71-Jährige eine Denkfabrik für Topmanager in Washington. Neu ist nun der zehnte Fall seines unkonventionellen Polizisten Bruno. Zum Antritt seiner Lesereise nahm sich Martin Walker Zeit für ein Interview mit der "Wiener Zeitung".

"Wiener Zeitung": In Ihrem neuen Krimi bekommt die Dorfidylle im französischen Périgord Risse. Vehement bricht die große Politik in das kleine, fiktive Städtchen Saint-Denis ein. Was war dabei die größte Herausforderung?

Martin Walker: Eigentlich ist es immer derselbe Kampf, nämlich dass die Geschichte und das Geschehen real und die Charaktere glaubhaft wirken. Gleichzeitig war es mir wichtig, die Herausforderung, mit der Europa durch den Terrorismus konfrontiert ist, aufzugreifen und zu verstehen. Zudem wollte ich Charaktere aus dem Mittleren Osten, die Opfer dieser Entwicklung sind, in meine Geschichte einbauen. Anlass waren die Terroranschläge in Paris, Nizza, London, Brüssel und Berlin. Als ich dann eine Burg im Périgord besuchte, realisierte ich, dass dieser Ort sich anbietet, um die europäische und mediterrane Geschichte in einem größeren Kontext zu zeigen, der zurückführt zu den Kreuzzügen.

Den Reiz Ihrer Bruno-Serie macht immer wieder Ihr erhellender Blick auf die Geschichte aus. Wie sind Sie auf die Verbindung der Tempelritter zum Nahost-Konflikt gestoßen?

Über die große mittelalterliche Festungsruine von Commarque im Périgord mit ihren prähistorischen Höhlen, die auf einem Felsen erbaut wurde. Diese Festung wurde den Templern anvertraut, als ein Besitzer des 12. Jahrhunderts, Gerard de Commarque, sich den Kreuzzügen anschloss.

Hilft Ihnen dabei Ihr Hintergrund als Historiker?

Es gibt mehr Geschichte im Périgord als fast überall auf der Welt. Unsere Vorfahren dort haben alles erlebt: Hungersnot, Klimawandel, Revolution, Bürgerkrieg, Invasionskriege von Römern, Arabern, Wikingern, Engländern und Deutschen. Und doch bauten sie eine vielfältige Kultur und eine gute Küche auf und pflanzten hervorragende Weine an. Es gibt etwas Großartiges und Unbeugsames, das dem menschlichen Geist innewohnt und wir fühlen es hier.