In unserer von ökonomischen Kriterien bestimmten Welt besteht der begründete Verdacht, die eigene Orientierung zu verlieren, den "inneren Kompass". Nun können wir den Kopf in den Sand stecken und so tun, als sei alles in Ordnung. Verdrängung, das Abtauchen in virtuelle Welten. Der Hirnforscher Gerald Hüther geht aus naturwissenschaftlicher Perspektive der Frage nach: Was ist Würde? Seine Kernthese lautet: Wer sich seiner eigenen Würde bewusst wird, ist nicht mehr verführbar.

Es geht hier nicht um den Begriff der Würde als "gesellschaftliches Ansehen" oder als eine Möglichkeit, was einer sich wünscht, was sein könnte. Würde ist nicht allein ein ethisch-philosophisch fundiertes Menschenrecht, das unveräußerlich ist. Würde ist im Grunde ein göttlicher Begriff. Damit verbunden ist der Mensch als ein Wesen, das mit Respekt behandelt werden müsse, auserwählt und zur Freiheit berufen - mit dem Geschenk des Lebens gesegnet.

Schon Kant hat diese Würde als einen "inneren Wert" bezeichnet, geschützt von den Zumutungen des Lebens. In der inneren Organisation und der Arbeitsweise des menschlichen Gehirns muss es eine Besonderheit geben, die es nicht nur möglich, sondern irgendwann sogar erforderlich macht, dass wir als Menschen eine Vorstellung unserer eigenen Würde entwickeln. Diese Vorstellung von Würde ist die entscheidende Bedingung jeder demokratischen Gesellschaft. Das zutiefst Menschliche in uns zu entdecken, wird zur zentralen Aufgabe im 21. Jahrhundert, schließt Hüther.

Sachbuch

Würde - Was uns stark macht

Gerald Hüther

Knaus, 192 Seiten, 20,60 Euro