Im ersten Jahrtausend vor Christus, zusammen mit vielen Weltreligionen und in der Periode, die Karl Jaspers Achsenzeit genannt hat, entstanden die ersten Imperien der Assyrer und Babylonier. Die Jahrtausende danach wurden von Imperien gestaltet - Persien, Alexander und die Diadochen, China, Rom, Dschingis Khan und die Osmanen, das britische Empire, um nur einige zu nennen. Heute allerdings sind sie verschwunden. Doch sie wirken fort.

Die gegenwärtigen Grenzen Chinas stammen aus den Siegen der Mandschu über die Tibeter, und die heutigen Grenzen des Irak aus den Niederlagen der Perser gegen Istanbul; einige der kulturellen Wurzeln Spaniens, Frankreichs, Italiens und sogar Rumäniens liegen in Rom, und die Prägung der Länder östlich der zentralasiatischen Hochgebirge durch China führte u. a. zur Entstehung der Weltsprache Mandarin mit über einer Milliarde Sprechern.

Die Durchsetzung der Weltsprache Englisch mit über einer halben Milliarde Sprechern wiederum geht auf die Siege des Britischen Empires zurück - und auf jene seines republikanischen Bruders, die USA. Was leisteten nun die Imperien, warum waren sie so erfolgreich? Und warum wurde die Institution im 20. Jahrhundert so entschieden bekämpft, dass die Bezeichnung zu einem Schimpfwort wurde?

Kaiserreich China

Die klassische chinesische Historiographie hat eine Antwort auf die Frage nach den Funktionen. Die großen Erfindungen der frühen Jahrtausende - etwa Jagd und Landwirtschaft, Handel und die Schrift - wurden kulturellen Heroen zugeordnet. Die großen Religionsgründer des 6. und 5. Jahrhunderts vor unserer Zeitrechnung wanderten zwischen den Königreichen des damaligen China - Konfuzius etwa wäre gerne irgendwo Minister geworden, um seine von den Familien ausgehende Morallehre in der Politik zu erproben.

Im dritten Jahrhundert v. Chr. eroberte das westlichste der chinesischen Königreiche, Qin, die anderen und gründete 221 das Kaiserreich. Die Königreiche wurden abgeschafft und das gesamte Territorium in Regieringsbezirke aufgeteilt, deren Verwaltungschefs von der kaiserlichen Kanzlei ernannt wurden.

Maße, Münzen, Gewichte und Schrift wurden für das ganze Reich standardisiert. Auch die Geschichtsschreibung wurde normiert - Texte, welche lokale oder oppositionelle Themen behandelten, wurden vernichtet. Der Kaiser förderte die Expansion der Han-Chinesen in den Süden und fasste die vielen Wälle gegen nomadische Völker im Norden zur gemeinsamen Mauer zusammen. Die Funktionen des Imperiums waren also Vereinheitlichung der Normen, Förderung und Reglementierung der Wissenschaft, gemeinsame Abwehr im Norden und Ausbreitung im Süden.