Der ehemalige deutsche Bundesaußenminister Joschka Fischer analysiert schonungslos, mit gedanklicher Schärfe und strategischem Weitblick den derzeitigen politischen, ökonomischen und militärischen Zustand der Welt. Wir stehen an einer Zeitenwende. So der Autor. Die seit 1945 bestehende bipolare Weltordnung mit den Vereinigten Staaten und der UdSSR als Führungsmächten ist nach der Auflösung der Sowjetunion und dem Brexit, durch die technologische IT-Revolution und die isolationistische Politik des amerikanischen Präsidenten Donald Trump definitiv zu Ende gegangen. Die Rolle der USA als alleiniger Global Player wird in absehbarer Zeit durch die aufstrebende Weltmacht China ersetzt werden.

Und Europa? Es hat nach dem Zweiten Weltkrieg infolge des Zusammenschlusses mehrerer Staaten zur EU unter dem militärischen Schutzschild der USA eine siebzigjährige Friedenszeit und einen noch nie da gewesenen wirtschaftlichen Wohlstand erlebt. Beide sind durch das Aufkommen (starker) neonationalistischer Kräfte gefährdet. Europa hat seine einstige Führungsrolle längst eingebüßt. Es wird wieder in viele Nationalstaaten zerfallen und zum politischen Nirwana werden, wenn es sich nicht unter der Führung Deutschlands und Frankreichs grundlegend erneuert. Quo vadis Europa? Eine bange Frage. Wer kann sie schlüssig beantworten? Ein hochinteressantes Buch, das zu nachdenklichen Überlegungen anregt.

Sachbuch

Der Abstieg des Westens. Europa in der neuen Weltordnung des
21. Jahrhunderts.

Joschka Fischer

Kiiepenheuer&Witsch, 234 Seiten, 20,60 Euro