Etwas verloren stehen vor dem Musikverein vereinzelte Demonstranten. "Cultural boykott of Israel" fordern diese. Es könnte während des Konzerts zu Protesten kommen, heißt es dann auch zu Beginn, aufgrund der bevorstehenden Reise des Philadelphia Orchestras nach Israel. Doch es bleibt, abgesehen von einem ziemlich aufbrausenden Orchester, ruhig.

Hélène Grimaud nimmt zum Einstieg für Brahms’ Erstes Klavierkonzert am Flügel Platz und verleiht dem Werk viel Ausdruckskraft und Feingefühl. Das Orchester (allen voran die Streicher) zeichnet sich jedoch nicht gerade durch famose Klanggestaltung aus, es kommt aber in diesem ersten Stück noch zu schönen Momenten, etwa beim spannungsgeladenen Streichereinstieg ins Adagio. Dirigent Yannick Nézet-Séguin drückt nicht auf die Romantik-Tube, doch sein Konzept, das Werk in langsamen Piano-Passagen mystisch auszugestalten, geht nur teilweise auf, vor allem deshalb, weil er in den anschließenden Forte-Passagen keine Auflösung bieten kann.

Fragwürdige Extreme

Während Schumanns Vierte Symphonie sich dann vor allem zäh gestaltet, ruft Richard Strauss’ Tondichtung "Don Juan" an sich nach einer kontrastreichen Gestaltung. Die Extrempunkte, zwischen denen hier changiert wird, erweisen sich allerdings als fragwürdig. Abwechselnd triefend und brachial braust das Orchester in einer Art dahin, dass man sich beinahe wünschte, jemand würde nun doch noch protestieren. Doch die Stimmen bleiben aus. Das Philadelphia Orchestra erweist hier höchstens einem dick aufgetragenen Streichkäse alle Ehre.