16 Jahre lang lenkte Sir Simon Rattle die Geschicke der Berliner Philharmoniker. Am Wochenende trat der Brite zum letzten Mal als Chefdirigent des deutschen Vorzeigeorchesters im Wiener Musikverein auf. Rattle wendet sich dem London Symphony Orchestra zu, und Berlin wartet gespannt auf Kirill Petrenko.

Das für Wien zusammengestellte Programm entsprach der Repertoirepflege von Tradition und Moderne. Abrahamsen und Bruckner für die Matinee am Sonntag. Das Konzert am Samstag wurde mit Jörg Widmanns neuestem Werk eröffnet, einem Abschiedsstück, das Rattle auf den Leib komponiert wurde. Das Orchester beginnt allein mit einer jazzigen Einleitung, lässig schlendert der Dirigent herein. Es wird auch so enden. Ein schöner Rahmen für sechs drängend-explosive Minuten, die "Tanz auf dem Vulkan" betitelt sind.

Die anschließend gespielte Dritte Symphonie von Witold Lutosawski schien verblüffend nah. Uraufgeführt 1983 vom Chicago Symphony Orchestra unter Sir Georg Solti. Von Simon Rattle damals am Radio mitverfolgt. Ein meisterhaftes Werk von bedingungsloser Modernität und ergreifender Energie. Ein halbstündiges Orchesterkonzert, das mit der Freiheit der Zeit spielt. Wobei: nur ein kurzes Hineinschnuppern in die Musikwelt des experimentierfreudigen polnischen Komponisten, der 1994 verstarb. Wunderbar klang die nach der Pause präsentierte Erste Symphonie von Johannes Brahms. Gleißend, geschmeidig, klar, kraftvoll. Die Berliner Philharmoniker ließen keinerlei Wünsche offen.