Auch das neue Buch kommt wieder wie ein Ziegelstein daher. 640 Seiten. Darunter macht es Karl Ove Knausgård offenbar nicht. Und wieder geht es vor allem um ihn, sein Leben und seine Ansichten, wenn auch diesmal in "Kein Heimspiel" nicht so eindeutig und ausschließlich wie in seiner zuletzt erschienenen Reihe "Min Kamp". Denn erstens steht im neuen Werk die Fußballweltmeisterschaft 2014 in Brasilien im Mittelpunkt, und zweitens hat er es nicht allein, sondern mit einem Co-Autor geschrieben, dem schwedischen Schriftsteller Fredrik Ekelund.

Das Buch beginnt mit dem 10. Juni 2014. An diesem Tag schreibt Ekelund seinen ersten Brief an Knausgård. Am Vortag saßen sie noch zusammen in Knausgårds Garten, nun ist er auf dem Weg nach Rio de Janeiro, in eine buchstäblich andere Welt. Der Auftakt zu einem Austausch, der mit dem WM-Finale enden wird. Sie schreiben sich regelmäßig, über ihre Eindrücke von den Spielen und über das, was sie sonst so umtreibt.

Nichts, heißt es bekanntlich, ist so alt wie die Zeitung von gestern. Gilt das nicht auch für ein zurückliegendes Fußballereignis? Über die WM in Brasilien wissen wir doch alles, vom Ausraster (Suarez’ Beißattacke) bis zum Gewinner (Deutschland) - was sollte da noch zu berichten sein? Alle Spannung ist dahin.

Wie es zu diesem Buch kam, wer die Idee dazu hatte, darüber erfahren wir nichts. Vielleicht entsprang es einem plötzlichen Einfall, vielleicht auch einem wohl überlegten Kalkül. In jedem Fall ein ungewöhnliches Projekt. Ungewöhnlich deshalb, weil WM-Bücher, meist Bildbände, in der Regel gleich im Anschluss an die Spiele erscheinen, dann, wenn die Erinnerung noch frisch ist. Dieses jedoch ist jetzt herausgekommen, zu einem Zeitpunkt, da unsere ganze Aufmerksamkeit auf die in Kürze startende nächste WM gerichtet ist.

Eine gewisse Risikofreudigkeit darf man den Autoren (und dem Verlag) also attestieren. Doch der Mut (oder einfach auch nur Spaß) hat sich gelohnt. Auch dieses Buch besitzt wieder jenen eigenartigen Sog, der typisch für Knausgård ist. Es stört auch nicht, dass die Autoren ein weithin bekanntes Thema abhandeln. Denn zum einen sind große Momente des Fußballs von wunderbarer Zeitlosigkeit und damit in gewisser Weise immer aktuell. Über die eleganten Auftritte eines Zinedine Zidane werden wir auch noch in zwanzig Jahren ins Schwärmen geraten

Zum anderen kommt es zu anregenden Auseinandersetzungen, weil Knausgård und Ekelund zwei unterschiedliche Charaktere sind. Und der dritte Punkt betrifft vor allem die große Gemeinde der Knausgård-Liebhaber: Über dieses Buch lernen sie eine neue Facette ihres Idols kennen.