Sabine Theresia Köszegi forscht auf dem Gebiet der Mensch-Maschine-Interaktion. - © Moritz Ziegler
Sabine Theresia Köszegi forscht auf dem Gebiet der Mensch-Maschine-Interaktion. - © Moritz Ziegler

"Wiener Zeitung: Sie sind Professorin für Arbeitswissenschaft und Organisation, einer Ihrer Forschungsschwerpunkte ist Konfliktlösung in Verhandlungen. Haben Sie den Vorsitz im Robotikrat übernommen, weil das so ein umstrittenes Gebiet ist?

Sabine Theresia Köszegi: Das könnte vielleicht eine Rolle gespielt haben. Aber mich beschäftigt als Wissenschafterin derzeit vor allem, was es mit sich bringt, wenn anthropomorphisierte Maschinen mit Menschen interagieren, welche Gefühle und Verhaltensweisen das hervorruft. Derzeit bin ich in einem internationalen Forschungsprojekt in Aarhus engagiert. Es geht um "Integra-

tive Social Robotics", um die Frage, welche Auswirkungen der Umgang mit Robotern auf den einzelnen Menschen, aber auch auf die Gesellschaft hat. Wir müssen rechtzeitig einen Weg finden, nicht nur die ökonomischen, sondern auch die sozialen Auswirkungen eines massiven Robotereinsatzes abzuschätzen.

Je näher der Roboter dem Menschen kommt, umso eher sinkt die Akzeptanz. Einer Studie zufolge würden sich mehr als 40 Prozent der Österreicher Essen von einem Roboter servieren lassen, aber bei Pflegerobotern sind sie schon skeptisch. Wie vertrauenswürdig sind Roboter?

Die Pflege ist ein gutes Beispiel. Viele Menschen haben Angst, von Robotern gepflegt zu werden. Ich glaube, sie brauchen keine Angst zu haben. Der Pflegeroboter, der das Essen serviert, einen wäscht und unterhält, liegt noch in weiter Ferne. Wir reden eher von Assistenzsystemen, die Menschen dabei helfen können, länger autonom leben zu können. Es ist so, als ob sie eine Krücke benützen. Das kann auch eine Selbstermächtigung sein. Letztlich entscheidet das der Nutzer, deshalb ist es auch so wichtig, Betroffene sehr früh in die Entwicklung mit einzubeziehen und praktische Lösungen zu forcieren. Ein intelligenter Rollstuhl ist vielleicht für viele viel hilfreicher als ein Exoskelett.

Im Alltag begegnen uns immer öfter intelligente Maschinen. Welche Auswirkungen hat das auf unser Verhalten?

Wir wissen schon lange, dass wir Menschen dazu neigen, Gegenstände, aber insbesondere Maschinen, zu vermenschlichen. Viele Menschen sprechen mit ihrem Auto. Ein Auto sieht jetzt wirklich nicht aus wie ein Mensch und redet auch nicht zurück. Aber stellen Sie sich eine Maschine vor, die einem Menschen ähnlich sieht und sich sogar so ähnlich verhält. Ihnen zum Beispiel sagt: "Ziehen Sie sich bitte eine Jacke an, es ist frisch heute." Wir würden diese Maschine noch stärker anthropomorphisieren und sehr rasch und unkontrolliert eine Beziehung zu ihr aufbauen. Es gab Experimente, in denen Versuchspersonen von einem humanoiden Roboter gebeten wurden, für sie zu lügen. Das Ergebnis: 70 Prozent der Versuchspersonen logen tatsächlich für die Maschine. Obwohl sie wissen, dass es eine Maschine ist, reagieren Menschen empathisch. Da werden Prozesse indiziert, die wir nicht gut steuern können, die wir nicht unter Kontrolle haben.