"Die Band ist selbstbewusst, aber nicht abgehoben, verschwitzt, aber nicht prollig, intelligent, aber nicht kunstbeflissen, und auf alle Fälle sehr weit weg von Wien." Es ist - auch den hier komplimentierten Musikern - nicht ganz klar, wie die Kollegen der "Nürnberger Zeitung" den letzten Halbsatz in ihrem Lob auf Granada gemeint haben, aber fest steht jedenfalls zweierlei: Deutschland bemerkt, dass österreichische Musik nicht notwendigerweise aus Wien kommt - und dass das Grazer Quintett bei den Nachbarn Erfolg hat. Nicht so spektakulär wie Wanda oder Bilderbuch, aber auf einer recht nachhaltigen Basis von vielen Club-Gigs und als Tour-Support für Sportfreunde Stiller.

Film-Start

"Es ist eins aufs andere gekommen", erzählt Thomas Petritsch, Initiator, Kopf und Sänger von Granada im Interview mit der "Wiener Zeitung". "Es war zunächst überraschend, dass ein Publikum da ist, dass Festivals anfragen, Journalisten sich interessieren. Ab einem gewissen Zeitpunkt war es nicht mehr so überraschend, eben weil es dieses stetige Wachstum gab."

Petritsch, der als Effi eigentlich dem englischsprachigen Indie- und Electronic-Sektor aus dem heimischen Pop-Territorium entstammt, hat Granada zunächst eher beiläufig ins Leben gerufen. Als er engagiert wurde, Musik für den Film "Planet Ottakring" beizusteuern, schrieb er einen rasch wachsenden Fundus von Dialektsongs. Nur zwei davon - das schon fast klassische "Ottakring" und "Eh ok" - fanden im Film Verwendung.

Da er die anderen aber nicht der Schublade überantworten wollte, tat sich Petritsch mit einigen Musikern zusammen, um sie live aufzuführen. Dieser Arbeitsgemeinschaft entwuchs eine fixe Bandkonstellation, die sich mit schwung- und stimmungsvollen Auftritten bald eine gute Reputa-tion als energetischer Act erwarb.

2016 erschien Granadas unbetiteltes Debütalbum, das frisch und frech Motown, Wienerlied und den Drive der frühen Vampire Weekend verquirlte, den Urlaub auf Balkonien zelebrierte, weil man "eh am Sand" sei, von abgehalfterten Has-beens erzählte und Billy Joels Entschleunigungs-Hymne "Vienna" musikalisch der Stadt anpasste, der sie gewidmet ist ("Wien wort auf di").

LP Nummer zwei ist nach einem so markanten Einstand immer eine schwierige Übung. Die Band absolviert sie sehr ordentlich. Sie drückt auf "Ge Bitte", wie die neue Platte heißt, etwas stärker aufs Tempo, spielt aber wieder die Qualitäten des Debüt-Albums aus: das gefühlige Akkordeon, die dynamische Lead-Gitarre, den melodischen Überschwang, die Lässigkeit. Und die beizeiten kühnen Wendungen in den Texten. Gleich zum Auftakt bekundet einer auf recht drastische Weise seinen Unwillen, noch weiter zu tanzen: "I wü mi net mehr drahn - außer ham".