Fulminantes Saisonfinale mit Teodor Currentzis. - © Julia Wesely
Fulminantes Saisonfinale mit Teodor Currentzis. - © Julia Wesely

Die fein schwebende und doch tief im Klang verwurzelte Sphäre, in die Teodor Currentzis den Beginn des dritten Satzes anheben lässt, sie gibt einen Vorgeschmack auf das finale "himmlische Leben": Absolute Klangschönheit, die jedoch nicht in Eleganz erstarrt, sondern von einer absoluten Lebendigkeit durchzogen ist.

Mahlers Symphonie Nr.4 hat sich der Dirigent am Donnerstag für den Abschluss seines Zyklus im Konzerthaus gewählt. Er begegnet diesem vielgehörten Werk mit seinem Ensemble MusicaAeterna mit frischem Blick und Sinn. Die Flächen, die er dabei aufspannt, sie umarmen mit einer weltumspannenden und zutiefst beseelten klanglichen Zärtlichkeit. Brüche gibt es kaum, die Kontraste entspinnen sich aus einander. Dazwischen bricht das Humoreske sich immer wieder Bahn, der Zweifel darf keimen, doch viel Dunkelheit hat nicht Platz in diesem hellsichtigen Mahler-Kosmos, der sich immer wieder ohne Hast und in absoluter Zuversicht anschickt, der Welt abhandenzukommen.

Die Entdeckung des Abends ist die junge Sopranistin Anna Lucia Richter. Sie gestaltete nicht nur das Finale der Symphonie beinahe szenisch. Ihr klarer, heller Sopran kombiniert absolute Wendigkeit mit Eleganz, der Schalk sitzt ihr ebenso in der Stimme wie die mädchenhafte Koketterie.

Im ersten Teil gestaltete sie mit Florian Boesch - er bildetet vokal polternd mit aufgerissener Seele den rauen Gegenpol zu Richter - Lieder aus "Des Knaben Wunderhorn". Ein vitales, kontrastreiches und eindringliches Heranarbeiten an den symphonischen zweiten Teil. Doch mit dessen erfüllter Seligkeit wollte Teodor Currentzis seinen Zyklus nicht ausklingen lassen: Er fegte, stampfte und wirbelte das begeisterte Publikum mit der Erstaufführung von Marko Nikodijevics "GHB / tanzaggregat" in die Nacht hinaus.