Eilen und (ver-)weilen: Nach Gastauftritten bei u. a. Drake stellt sich Jorja Smith nun solo vor. - © Sony Music
Eilen und (ver-)weilen: Nach Gastauftritten bei u. a. Drake stellt sich Jorja Smith nun solo vor. - © Sony Music

Tempo scheint hier immer in zwei unterschiedlichen Ausformungen eine größere Rolle zu spielen. Einerseits steht die 21-jährige britische R&B- und Soulsängerin Jorja Smith in den bisher von ihr vorgelegten Einzelsongs eindeutig mit einem Fuß auf der Bremse. Es geht darin getragen und exakt nie zu schnell zu - was mit einer sehr angenehmen Unaufgeregtheit korrespondiert, die ihre Musik grundsätzlich ausstrahlt. Die Welt ist anstrengend und schnell genug. Besser erst alles sacken lassen und dann, so wie man das früher einmal gemacht hat, in weiterer Folge gemächlich verarbeiten. Zeit ist noch da. Das ist gut.

Aufbauarbeit

Andererseits ist die aus dem industriell geprägten 68.000-Einwohner-Städtchen Walsall in der Nähe von Birmingham in den West Midlands gebürtige Sängerin und Songwriterin zu einem Zeitpunkt im Geschäft aufgetaucht, als sie kaum 19 Jahre alt war. Zwei Jahre später liegt mit "Lost & Found" ein jedenfalls als Talentprobe hörbares Debütalbum vor, das auf tüchtige Aufbauarbeit in der Zeit dazwischen basiert. In Sachen Karriereplanung und -exekution wird dann doch wieder das Gaspedal durchgedrückt. Man ist jung und hat gerade auch deshalb alles, nur keine Zeit zu verlieren.

Einem weitgehend gleichfalls jungen Zielpublikum bekannt wurde Jorja Smith seit dem Jahr 2016 also zunächst vor allem als sogenannter Featuring-Artist, also als Gastsängerin heute angesagter Acts zwischen Stormzy, Kali Uchis und Drake. Parallel zu ihrer Nominierung für den "BBC Sound of 2017"-Poll sorgte vor allem der Letztgenannte für einen Karriereschub. Der kanadische Rapper engagierte Jorja Smith für zwei Stücke auf seinem Mixtape "More Life", nachdem unsere Heldin zuvor schon als Support-Act bei den UK-Konzerten seiner Tour auftreten durfte.

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Aktuell ist es so, dass Drake mit seiner dritten Veröffentlichung in drei Jahren strauchelt und schon wieder nicht die erhoffte Kritikerliebe erhält, obwohl er mit "Scorpion" gerade einen zwischen Hip-Hop und R&B zweigeteilten, von über dreißig (!) Produzenten gedeichselten Kraftakt mit einer Spielzeit von eineinhalb Stunden vorlegt, in denen er versucht, sich in seiner neuen Rolle als Dad zu akklimatisieren. Über sein - trotz allem - völlig losgelöst von der Erde schwebendes Ego gibt übrigens Auskunft, dass das neugeborene Ebenbild den Namen Adonis trägt. So viel zu Drake. Gleichzeitig trifft die Bodenhaftung von Jorja Smith dieser Tage auf etwas mehr Gegenliebe, was neben der Sache mit der erwähnten Unaufgeregtheit nicht zuletzt auch mit der Musik selbst zu tun haben dürfte.