Witzige Verballhornungen: Klitclique debütieren. - © Elsa Okazaki
Witzige Verballhornungen: Klitclique debütieren. - © Elsa Okazaki

Es ist nicht sehr leicht, den gesellschaftlichen Mainstream heute noch großartig herauszufordern. Zu raffiniert, zu vielfältig sind dessen Absorptionsmöglichkeiten geworden, als dass sich dissidente Stimmen noch spektakulär Gehör verschaffen könnten.

Das könnte natürlich auch das Problem des Wiener Rap-Duos Klitclique sein. Ein provokantes Statement ist dessen Debütalbum "Schlecht im Bett, gut im Rap" allemal. Der unbändigen Spottlust des Duos fallen nicht nur der zunehmende Mehrheitskonformismus und der grassierende Neoliberalismus zum Opfer, sondern gerne auch alternative Milieus, insbesondere die Spezies der Bobos.

Assoziationsketten

Das beste und gleichzeitig offensichtlichste Beispiel für diese gewisse "Universalität" im Austeilen ist "Der Feminist", der bekannteste, durch ein expressives Video mit der Aktionskünstlerin Florentina Holzinger verbildlichte Song des Albums. Durch das selbe Suffix und das Durchbuchstabieren des titelgebenden Substantivs DJ Vadims "The Terrorist" in signifikanter Ähnlichkeit verbunden, zelebriert das Stück das Durchdeklinieren des Themas Feminismus in verschiedensten Spiel- und Abarten vom geläufigen "Feminismus? Natürlich, aber . . ." bis zu übersteigert absurden Facetten: "Ich bin der Geh-halt-die-einzige-Frau-im-Wahlkampf-wählen-Feminismus", "Ich bin der Frauen-machen-mein-Club-Klo-dauernd-kaputt-Feminist", "Ich bin der Trag-mein-Kind-aus-und-vielleicht-hol-ich’s-irgendwann-ab-Feminismus" und "Ich bin der Ich-will-meine-Eizellen-teuer-online- verkaufen-obwohl-sie-nicht-in-der-Kühlkette-waren-Feminismus."

Klitclique, das sind G-Udit (bürgerlich Judith Rohrmoser) und $chwanger (Mirjam Schweiger), Früh- bis Mittdreißigerinnen Salzburger Provenienz, die von der bildenden Kunst kommen. In Rap-Battles haben sie ihre Skills für suggestive Assoziationsketten entwickelt, deren einzelne Teile gerne einmal verquer, vereinzelt sogar etwas doof anmuten können, sich aber so gut wie immer zu einem verblüffenden Ganzen zusammenfügen.

Seit etwa drei Jahren betreiben sie die Musik, die sie übrigens eher beim Cloud Rap denn im klassischen Hip-Hop verorten, auf einer gewissermaßen vollprofessionellen Basis. Ihre dramaturgisch durchdachten, raffiniert inszenierten Auftritte, in denen Requisiten ein tragender Stellenwert zukommt, legen aber ebenso Zeugnis von ihrer künstlerischen Sozialisation ab wie einige Texte: "Maria" erweist der großen, 2014 verstorbenen Malerin Maria Lassnig in etwas frecher Diktion und doch respektvoll die Ehre; "D1G IRGENDWA$" ist eine böse Bestandsaufnahme des Kunstbetriebs, wie er sich im Verhältnis zwischen Galerist und Künstler oder Künstlerin darstellt: "Dein Galerist ist dein bester Freund / weil sonst niemand mit dir fickt / dein Galerist kauft dir Kokain, damit du schneller stirbst."

Dieser musikalisch sparsam elektronisch ausstaffierte, von Mirza Kebo produzierte LP-Erstling beginnt freilich mit einem gezielten Schlag gegen das "gesunde Volksempfinden". "Steuergeld, Oida", schwärmt G-Udit im Eröffnungstrack. Durch Steuergeld ist - über das Wiener Kulturförderungsprogramm Shift - nämlich auch das gratis auf der Bandwebseite (www.klitclique.com) downloadbare Album finanziert. "Freu dich für mich", trällert es da in anheimelnden, wenngleich irgendwie auch leicht gelangweilt anmutendem Singsang.

Launiges Spottlied

Direkt im Anschluss legt das Duo dann nach und fordert den Bachmann-Preis für die umstrittene, von der "Krone" und deren Leser- und Userschaft heftig angefeindete Autorin Stefanie Sargnagel (die das Stück selbst übrigens mit einer charakteristisch derb-comichaften Gewaltsuada eröffnet). In der Huldigung an sie schaffen es die Rapperinnen, auch den politischen Feind, witzig verballhornt, ins Spiel zu bringen: "Alle Identittitären (sic!) werden sterben / Steffis Titten sind Weltkulturerben."

"Alles wird gut", ein weiterer Höhepunkt dieses Albums, ist wohl als Abrechnung mit Kritikern zu verstehen. Schließlich wird in "Candida" auch noch der Hefepilz besungen. Es wären nicht Klitclique, würde daraus nicht ein launiges Spottlied entstehen: "Candida kommt immer wieder / die Männer nicht - die kommen nur einmal". So lustig ist man als Mann schon lange nicht mehr verarscht worden. Platte des Jahres, mindestens.