Dass der Mann ein Problem haben dürfte, hätte bereits der eine oder andere Songtext nahelegen können. Spätestens seit einem nur als vergewaltigungsapologetisch zu verstehenden Tweet aber wird einem richtig unangenehm, wenn man an den Namen CeeLo Green denkt. Der Mann mit dem Problem mag ein versierter Musiker sein, er ist ganz einfach aber auch ein fester Trottel.

Mit diesem inneren Widerstand also erlebt man den 43-jährigen US-Amerikaner beim Auftakt einer nur sechs Termine umfassenden Europatour bei seiner Österreichpremiere im Rahmen des Jazz Fest in der Wiener Staatsoper dabei, wie er sein Publikum trotz zahlreicher nicht besetzter Plätze musikalisch aber vom ersten Ton an begeistert.

Egal ob in Soul-Preacher-Manier, als Einheizer für die Funkparty im Tanzcafé, als Schöpfer eines jederzeit locker aus dem Ärmel geschüttelten Poprefrains – oder als Stakkato-Rapper aus dem Süden: CeeLo Green verfügt nicht nur über die unwirklichste und unwahrscheinlichste, charismatischste und schlicht beste Stimme, die man seit Ewigkeiten live erleben durfte. Er hat mit seinen sechs (wie er selbst und vermutlich auch wegen einer katholischen Kindheit samt Mitgliedskarte für den Gospelchor) in auf Weihepriester maßgeschneiderten weißen Walla-Walla-Kleidern steckenden Musikern auch eine fantastische Band mit dabei.

Popkulturelle Querverweise

Gemeinsam wird für eine Überraschung gesorgt: CeeLo Green präsentiert sich weniger als genuiner Solokünstler, der nach Ursprüngen im Hip-Hop im Umfeld von Outkast ("Hey Ya!") als die eine Hälfte von Gnarls Barkley Vintage-Soul mit modernistischer Elektronik und Pop kurzgeschlossen und dazu fünf Alben unter eigenem Namen vorgelegt hat. Nein. Es wird die Live-Jukebox angeworfen und eigenes Material eher in ein als Kessel Buntes gereichtes (Cover-)Programm eingerührt, das auch zahllose popkulturelle Querverweise kredenzt. Zwischen einer großen "Let’s Dance"-Hommage an David Bowie oder "September" von Earth, Wind & Fire kann es also passieren, dass CeeLo Green einen Song auf Basis von "Billie Jean" von Michael Jackson hochköchelt oder uns angespielte Erinnerungen an Kraftwerk ("Tour de France") oder Daft Punk ("One More Time") auftischt. Jederzeit in dieser also auch stilistisch vielseitigen Revue bleibt ein knochentrockener Groove der Kitt, der alles zusammenhält.

Verrückt: Am Ende sind die großen Hits – "Crazy", "Smiley Face" und "Fuck You" – hier nur die Draufgabe für ein Publikum, das sich in dieser Musik längst verloren hat.