"Wiener Zeitung": Herr Schottenberg, als ich Sie gefragt habe, mit wem Sie gerne unter dem Motto "Seelenverwandtschaften" ein Gespräch führen würden, kam sofort der Name Wolfram Berger ins Spiel. Bei unserer letzten Begegnung im Rahmen der "Wiener Salongespräche" vor 16 Jahren war Herr Berger ebenfalls Ihr Wunschgesprächspartner. Es dürfte sich hier um eine besondere Freundschaft handeln . . .

Michael Schottenberg: Wir haben uns seither nicht mehr gesehen.

Wolfram Berger: Vielleicht nicht 16 Jahre, aber zehn Jahre sicherlich! Weil die Welt so groß ist, haben wir gesagt, jetzt schauen wir einmal in verschiedene Richtungen, wir treffen uns sicher wieder bei Dobretsberger. Und zack - sitzen wir schon da!

Schottenberg: Ich dachte mir, vielleicht haben Sie ja eine Frage auf Lager, die Sie uns beim letzten Mal gestellt haben und über die wir nun aus heutiger Sicht nochmals nachdenken könnten.

Damals haben wir über die Wiener Theaterszene diskutiert und Ihr Schlusssatz war, dass es an der Zeit wäre, dass andere Theaterdirektoren zum Zug kämen.

Schottenberg: Das könnte diesmal auch wieder der Schlusssatz sein. Wobei es sicher kein Ruhmesblatt war, was ich so angestellt habe, das fand ich ja selber unter jeder Kanone. Aber jetzt? Ich sehe im Theater keinen Spaß mehr und keine Leichtigkeit. Was bleibt ist Belehrung. Gott, wie langweilig.

Sie sprechen Ihre Zeit als Volkstheater-Direktor an?

Schottenberg: Ja, das war genau nicht das, was ich eigentlich als Lebensplan gehabt habe. Eher aus sportlichen Gründen habe ich gesagt, das möchte ich werden, weil ich gedacht habe, ich kann das. Aber zwischen Wollen und Können hockt ein hässliches Tier. Ehrlich gesagt habe ich mich durch diese Zeit hindurchgequält.

Von 2005 bis 2015 waren das immerhin zehn Jahre.

Schottenberg: Das war mein Problem, und ich habe dich, Wolfi, gut verstanden, dass du schon sehr viel früher den Hut genommen hast und seither dein eigenes Ding machst. Der Ensemblegedanke an sich ist schön, aber dieses ewige Zusammenpicken auf Dauer ist nicht lustig, vor allem hat mir die Freiwilligkeit gefehlt. Ich musste auch permanent den Kopf für Angelegenheiten hinhalten, die mich überhaupt nicht interessiert haben, mich letztlich nichts angingen. Aber als Geschäftsführer musste ich das alles sehr ernst nehmen. Okay, habe ich auch. In meiner Vita ist diese Zeit keine wirklich befriedigende Erinnerung.

Es gibt nichts, das Sie aus dieser Ära positiv in Erinnerung behalten?

Schottenberg: Doch: Dass ich gesund geblieben bin.