London. Nennt es "Glam Rock", "Indie" oder gar (bitte, nicht einmal im Scherz) "Punk" - Miles Kanes musikalische Ergüsse sind eindeutig tanzbarer Gitarrenpop. Für sein neues Album hat er sich Zeit gelassen: Fünf Jahre Songwriting-Material, verarbeitet in Jam-Sessions mit Lana Del Rey und Jamie T, ergeben ein Album, auf das niemand gewartet hat und das trotzdem kam. Aufgenommen wurde "Coup de Grace" (Virgin EMI) innerhalb von zwei Wochen im Studio in L.A. und zeigt damit, dass gitarrenlastiger Britpop nicht zwingend in Großbritannien produziert werden muss.

Kane schafft es nicht ganz, an die positiven Kritiken des 2016 erschienen "Everything You’ve Come to Expect" seines Zweitgigs "Last Shadow Puppets" anzuknüpfen. Gemeinsam mit Arctic Monkeys - Frontman Alex Turner gelang ihm da vor zwei Jahren ein elegantes zweites Album einer "Supergroup", um die es zuvor jahrelang still war.

Um den Charme von "Coup de Grace" zu erkennen, muss man mit zusammengekniffenen Augen hinter die Pop-Fassaden blicken - und wird dann doch manchmalfündig. Eingängige Gitarrenmelodien, denen am Ende aber doch das entscheidende Refrain-Riff zum Indiedisco-Hit fehlt, waren neben einer soliden Stimme immer schon Kanes große Stärke. Das Texten sollte er aber lieber "Last Shadow Puppets"-Kollegen Turner überlassen. Wenn Mr. Kane nämlich versucht, sein "Shavambacu" als verunglücktes "Je t’aime beaucoup" zu verkaufen, kann einen dann doch spontan die Lust überkommen, dem ganzen Album einen Gnadenschuss in die Tonne zu verpassen.