Von Land und Meer, "De terre et de mer" (französischer Originaltitel) sind die Existenzen in Sophie Van der Lindens drittem Roman geprägt. Der auf Meeresliteratur spezialisierte Hamburger mare Verlag brachte die deutsche Übersetzung von Valerie Schneider unter dem Titel "Eine Nacht, ein Leben" heraus, womit auch schon der zeitliche Rahmen der Geschichte umrissen ist.

Henri, ein Pariser Maler, hat den Militärdienst abgeleistet und will nun Klarheit, weshalb seine Briefe an Youna unbeantwortet blieben. Die Geliebte war auf ihre heimatliche Insel "B." (offensichtlich die bretonische Insel Batz vor Roscoff) zurückgekehrt, um dort in "Freiheit und Einsamkeit" zu leben. Dass der Freiheit auch auf einer Insel Grenzen gesetzt sind, erlebt Henri bei seiner Reise zu Youna auf eindringliche Art. Von der Aussichtslosigkeit seines Werbens überzeugt, macht er sich auf den Rückweg. Immerhin beschert ihm die Insel noch ein künstlerisches Erweckungserlebnis. Und Begegnungen mit den erstaunlichsten Menschen, flüchtig nur, wie es dem "Impressionismus" dieses schmalen, atmosphärisch dichten Romans entspricht.

Die losen, kurzen Szenen fügen sich nach und nach zu einem Drama, dessen Akteure von mächtigen Regisseuren dirigiert werden: den Naturgewalten - und der großen Weltgeschichte. Sophie Van der Linden erzählt nicht nur vom tragischen Ende einer Liebe, sondern auch von jenem Moment, "als die Schönheit sank": Die Grande Guerre bricht an.