Ein Stück Heimat brachte Herbert Blomstedt, der ja selbst in den nordischen Weiten Schwedens zuhause ist, in den Musikverein. Franz Berwald stand auf dem Programm, ein Komponist dessen Werk man nur selten zu hören bekommt und dessen heutiges Konzert-Außenseitertum jenes zu seinen Lebzeiten widerspiegelt.

Die dritte seiner insgesamt vier Symphonien ist seine bekannteste - und durchwachsen. "Sinfonie singulière" benannt, bietet sie überraschende Wendungen und eigenwillige formale Konzeptionen. So ist das Scherzo direkt im Adagio eingebettet und wird durch einen in dieser Aufführung übrigens recht sanft ausgefallenen Paukenschlag eingeleitet. Hätte jemand gedöst, er wäre wohl nicht einmal aufgeschreckt. Doch hier wird ohnedies nicht vor sich hingeschlummert, denn die Symphonie durchzieht ein Hauch von frühlingshafter Frische, der von den Philharmonikern mit viel Ruhe trotz aller Leichtigkeit gespielt und einem satten Klang untermauert wurde.

Diesen führten sie auch in Antonín Dvořáks Siebter Symphonie fort, durch die Blomstedt mit stringenter Linienführung den Weg wies: ausgeglichen in den klanglichen Proportionen und süffig zu konsumieren. Nach vollendeter Holzbläserkunst im zweiten Satz findet man dann im dritten den exakt richtigen Schwung, bei dem man gerne länger verweilt wäre. Doch da geht es schon, weiterhin klangstark, in verschmitzter Manier ins Finale.

Nichts Prunkvolles, keine Übertreibungen bietet diese Interpretationen Blomstedts. Aber dafür ein Dirigat, das den Werken entspricht und sie in aller Bescheidenheit strahlen lässt.