Jonas Kaufmann begeisterte sein Publikum. - © apa/Georg Hochmuth
Jonas Kaufmann begeisterte sein Publikum. - © apa/Georg Hochmuth

"Vergiftet sind meine Lieder" beginnt Jonas Kaufmann mit Franz Liszts Vertonung von Heinrich-Heine-Texten. Ein Lied, in dem sich die Verzweiflung über eine enttäuschte Liebe in den dissonanten Harmonien prächtig widerspiegelt. Verzweiflung, die Jonas Kaufmann sängerisch, rein technisch gesehen, einwandfrei vermittelt.

Dem jeweils sehr unterschiedlichen Charakter der Liszt Lieder passt sich Kaufmann wendig an. Zart und zunehmend dringlich in "Ihr Glocken von Marling", wo er auch im Sanften den Tönen Nachdruck verleihen kann. Oder in "Freudvoll und leidvoll", wo sich das Timbre merklich fein zum vorhergegangenen Lied ändert: In der Nuance liegt die Kraft.

Aber: So recht mag man es ihm nicht glauben, was er da vorgibt zu empfinden. Auch hier liegt das Entscheidende im Detail. In kleinen Bewegungen, etwa wenn die Hand in einer automatisierten Bewegung zum "Umblättern" hinab zum Touchpad gleitet - auch mitten in den Liedern. Und wenn der Blick nach vollendetem Gesang wartend und etwas starr in der Menge ruht, bis auch die Klänge des Klaviers verklungen sind, merkt man dem großen Jonas Kaufmann an, dass sich mittlerweile doch so etwas wie eine professionelle Routine eingestellt hat. Quasi Romantik auf Knopfdruck.

Vielleicht ist es aber auch Anspannung. Denn während er in Mahlers Rückert-Liedern, bei Hugo Wolfs "Liederstrauß" und Richard Strauss’ in jeder Hinsicht schweren "Vier letzten Liedern" noch - zwar in technischer Versiertheit - aber doch in derselben starren Körpersprache verweilt, ist er bei den zahlreichen Zugaben endlich gelöst. Das hätte man gerne früher gehabt. Ein jubelndes Publikum gab’s trotz alledem. Ganz ohne Gift.