Er holt die Partitur nur zu speziellen Ereignissen hervor; dirigiert den Giganten nur aus gutem Grund, erklärte er im Vorfeld. Diesen Anlass, Mahlers Symphonie Nr. 3 in d-Moll aufzuführen, hat Teodor Currentzis aktuell gefunden. Er hat den knapp zweistündigen Klangkosmos für sein Antrittskonzert als Chefdirigent des SWR Symphonieorchesters ausgewählt. Nachdem er das deutsche Publikum damit im Sturm erobert hatte, kam er am Dienstag ins Konzerthaus, um als Auftakt seines diesjährigen Konzertzyklus auch den Wienern seinen neuen Klangkörper zu präsentieren.

Der leidenschaftliche bis exzentrische Musiker und seine neue orchestrale Klang-Klaviatur eroberten auch die Wiener im Sturm. Diese Dritte beginnt markant und kraftvoll, schreitet ahnungsschwer immer wieder dem Weltenende entgegen. Teodor Currentzis ist auch mit dem SWR das kraft- und spannungsgeladene Zentrum des musikalischen Geschehens, das sich wie ein schillernder, charaktervoller Kosmos um in entspinnt. Noch ist hier freilich mancher Schlund etwas zu grob gezeichnet, manches Naturbild noch nicht ganz so fein gemeißelt und so mancher Sonnenstrahl zu gleißend; noch ist es mehr beeindruckend als mitreißend. Was Currentzis mit seinem bejubelten Einstand jedoch zeigte: Seine geballte und hoch konzentrierte musikalische Kraft und sein ungemeinen markanter wie elektrisierender Gestaltungswille entfalten auch jenseits seiner eingeschworenen Musikergemeinde aus Perm seine Kraft - und übertragen sich auf Musiker wie Publikum.