Eine tönende Postkarte aus dem Jahr 1930: Links die Liebeserklärung in Worten, rechts dazu das Schubert-Lied "Ich schnitt es gern in alle Rinden ein". - © Bundesarchiv, Bild 102-09867 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5414611
Eine tönende Postkarte aus dem Jahr 1930: Links die Liebeserklärung in Worten, rechts dazu das Schubert-Lied "Ich schnitt es gern in alle Rinden ein". - © Bundesarchiv, Bild 102-09867 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5414611

Wie in der Waschmaschine drehen sich die beiden Köpfe auf der kleinen Scheibe. Der eine gehört unverkennbar zum Frontman der englischen Band The Cure, der zweite zum Bandmitbegründer Lol Tolhurst. Es spricht: Mister Smith - über Mode und Lippenstift, über Alkohol und Punk; davon, dass Punk ursprünglich nur Unterhaltung, Spaß war und erst später zum gesellschaftskritischen Phänomen wurde. Smith hört sich heute an wie ein Zeitzeuge, das Interview ist aus dem Jahr 1987 (siehe Video weiter unten). Und weil es auf Vinyl gepresst wurde, hat es auch überlebt. Archivierte Zeitungsinterviews landen für gewöhnlich eher im Altpapier.

Damals, Ende der 1980er, waren bebilderte Schallplatten, egal ob groß oder klein, eckig oder rund, bunt oder schwarz-weiß, groß in Mode. Es musste nicht mal Musik drauf sein, wie diese Interview-Single zeigt. Im Gegenteil: Interview-Discs erreichten große Popularität, allen voran durch das Londoner Label Baktabak, das weltweit zum Begriff für auf Vinyl gepresse Musiker-Interviews wurde. Von Wert waren die Bildscheiben vor allem für Fans, aber auch Journalisten lauschten damals oft - da sie eine neue Möglichkeit zur Recherche waren abseits von Papier, Radio, Fernsehen oder Kassette.

Video

Sound-Postkarten

Interviews auf Tonträger gibt es schon sehr lange, sie wurden bereits mittels  Schellacks in Umlauf gebracht. Doch auch die Idee, Ton und Bild auf einem Medium zu kombinieren, ist schon sehr alt. Schon zu Beginn des 20. Jahrunderts, nämlich 1902, wurde in Deutschland die sprechende und singende Postkarte zum Verschicken patentiert. Viele Jahrzehnte später knüpfte die Musikindustrie an diese Idee und begann, Vinyl mit Bildern zu versehen. Obwohl diese Schallplatten nicht nur schlechter klingen, sondern auch teurer sind als die herkömmlichen schwarzen, sind sie bis in die Gegenwart sehr beliebt, vor allem als Sammlerstück. Denn bis heute werden sie meistens in kleinen Auflagen gepresst..

Die Bilder, die sich auf den Platten wiederfinden, reichen von Album-Covers bis zu optischen Illusionen, wie etwa das 1979 erschienene Album "The Worker" der englischen Gruppe Fischer-Z zeigt: das Bild zeigt einen Zug auf einer runden Gleisstrecke. Dreht sich die Platte, fährt der Zug im Kreis.

Eine der ersten modernen Picture Discs wiederum erschien von der britischen Prog-Rock-Band Curved Air: Airconditioning erschien in zwei Versionen, in einer Auflage von 2000 Stück.

Ebenso begehrt sind seither Picture Discs mit unveröffentlichten oder seltenen Live-Aufnahmen. Auch als Singles. Mehr über diese kleinen Bootlegs demnächst.