Wie das Dirigat des französischen Dirigenten Stéphane Denève gestaltete sich das Programm, in dem vorwiegend Werke des 20. Jahrhunderts standen, betont energisch. Im Hinblick auf die musikalische Interpretation gab es zweierlei: Einerseits viel betonter Kitsch und Pomp. Andererseits konnte man auch ruhige Momente belauschen, in denen der Charakter der Werke spürbar wurde.

In Jacques Ibert, bei dessen "Escales" man Filmlandschaften mit Debussy-Zitaten vorbeiziehen sieht, machte Denève seinen Ansatz deutlich: ungestüm. Dieser Eindruck bestätigte und verstärkte sich beim Werk des (anwesenden) französischen Komponisten Guillaume Connesson: "Les horizons perdus", einem Konzert für Violine und Orchester. Farbenreich und rhythmisch anspruchsvoll präsentieren sich das Orchester und ein Renaud Capuçon mit geschönter Spielweise auf dieser Spielwiese der neuen Klänge. Man darf sich fragen, ob sein Stil zu dieser Art der Musik passt. Denn in Sachen Phrasierung gibt sich Capuçon bescheiden, dafür forciert er die rührselige Seite.

Berlioz’ "Le Carnaval Romain" wirkte anschließend einerseits - mit Blick auf die Komposition - romantischer, andererseits - mit Blick auf die violinistische Ausgestaltung - sachlich, obwohl Denève auch hier die energische Seite ausformte. Ungestümer Eifer dann auch im abschließenden "Pini di Roma" von Ottorino Respighi, in dem vor allem die langsamen Passagen im 2. und 3. Satz poetische Wirkung entfalten. Spätestens hier wurde klar, dass nicht immer der Lautere Recht hat.