Mit Sogwirkung: die Band Melt Downer um Wolfgang Möstl (links). - © Susanne Schwarz
Mit Sogwirkung: die Band Melt Downer um Wolfgang Möstl (links). - © Susanne Schwarz

Das Musikvideo zur Singleauskopplung "Clown" lässt im Grunde keine Fragen mehr offen. Hier wird einerseits auf Low-Budget-Basis großes Kino geboten, das junge Frauen auf Wandertag in überzeichneter Splatterfilmmanier im Wald Krieg spielen lässt: Es ankert diese Chose zwischen (Alb-)Traum und Psychose.

Andererseits werden dabei auch die musikalischen Kernkompetenzen von Wolfgang Möstls Projekt Melt Downer wieder recht anschaulich vorgeturnt - wobei es den Geschäftsregeln zufolge dem dazugehörenden Album obliegt, mit noch schwererem Geschütz aufzufahren.

Der nur ein gutes Jahr nach dem Debütalbum erscheinende Zweitling mit dem Titel "Alter The Stunt" (Rock Is Hell/Numavi Records) erneuert das Bekenntnis des Trios zu Noiserock mit Hang zum Trip. Bongos weisen den Weg - und Free-Jazz-Saxofone im Freak-Out sowie hektischer Megafonsprechgesang unterstreichen neben der grundsätzlich aufgeriebenen Stimmung, dass diese Ware eindeutig in der Kategorie der Uppers auf den Markt gebracht wird.

Wenn etwa die wiederholt in die Welt gebellte Zeile "IT’S ICE COLD!" noch drei Stunden nach dem Hörgenuss in den Ohren klingelt, weiß man, dass die Sache mit der psychedelischen Sogwirkung sehr erfolgreich war. Man hört Gitarrenakkorde als Machtdemonstrationen und Schlagzeug im Planierraupenmodus - sowie Stoner-Bezüge ("Alter") und bei "Head Call" sogar etwas Post-Rock. In jedem Fall bekommt man hier einen Satz heiße Ohren verpasst. Gute Sache!

Weil der in dieser Zeitung mit einem seiner zahlreichen (Vorgänger-)Projekte (Killed By 9V Batteries, Mile Me Deaf . . .) oder als gefragter Produzent (Voodoo Jürgens, Der Nino aus Wien . . .) bereits wiederholt als Tausendsassa porträtierte Wolfgang Möstl damit aber offenkundig wieder einmal nicht ausgelastet war, tritt er dieser Tage zusätzlich auch als Produzent der Wiener Band Sluff in Erscheinung.

Diese setzt auf ihrem Debütalbum "On Debris" (Siluh Records) zwar gleichfalls auf Hall, verzichtet aber auf die bei Melt Downer gegebene Härte und das Testosteron. Es setzt Talentproben zwischen zugänglichem Indierock und hübsch melodieseligem Dreampop. Dass die Band Ohrwürmer kann, hat sie ja bereits mit ihrer Single "Deep Blue" bewiesenSluff live: Donnerstag, 11. Oktober im Wiener Fluc (Beginn: 21 Uhr). www.fluc.at