Die Totenzeremonie Tana Toraja auf Sulawesi, Indonesien.

- © Tuul & Bruno Morandi / Getty
Die Totenzeremonie Tana Toraja auf Sulawesi, Indonesien.
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Wer scheele Blicke ernten will, der borge sich für das nächste Begräbnis einen weißen Anzug aus. Oder gar ein buntes Hawaiihemd. Denn Schwarz und nur Schwarz ist der ungeschriebene Dresscode bei mitteleuropäischen Beerdigungen. Aber entspräche nicht eigentlich helle oder bunte Kleidung – vorzugsweise in Grün, der Farbe der Hoffnung, – mehr der christlichen Lehre, die den Sterblichen Hoffnung macht auf ein ewiges Leben in Fülle? "Die liturgische Trauerfarbe ist jene, die im Kulturkreis üblich ist. In unseren Breiten ist das Schwarz, im Norden Europas ist es Weiß", erklärt dazu Martin Sindelar, Leiter und Erzbischöflicher Zeremoniär in der Erzdiözese Wien. "Die Liturgie nimmt sich damit der Ausdrucksform der Menschen an. Im Sinne von: ‚Ihr als Trauernde werdet ernstgenommen, weil ihr jetzt erst einmal nichts zu feiern habt.‘" Zwar wird bis heute bei Begräbnissen oft ein altes Lied aus dem frühen Christentum gesungen – "Zum Paradiese mögen Engel dich begleiten" –, das einen Weg der Trauer hin zum himmlischen Jerusalem zeichnet, wo Christus dem Toten das Tor öffnet. Sindelar betont aber, dass dieses Lied nicht die Trauernden selbst singen, "sondern das tut die christliche Gemeinschaft für sie, weil sie ja weinen – und wer weint, kann nicht singen".

Alles in allem ist ein christliches Begräbnis also dem Heilsversprechen zum Trotz in der Regel eine recht triste Angelegenheit. Das gilt auch für das mehrheitlich orthodoxe Montenegro, wo sich – ebenso wie im islamisch geprägten Kulturkreis des Nahen und Mittleren Ostens – bis heute eine alte Tradition gehalten hat, deren Ursprung in der Antike liegt: die sogenannten Klageweiber, also Frauen, die gewerbsmäßig die rituelle Totenklage gegen Honorar ausüben.

Mit den Toten lachen, tanzen und rangeln

Wie anders nehmen sich da Trauerfeiern etwa auf Sulawesi aus. Auf der viertgrößten Insel Indonesiens lebt das Volk der Toraja, das rund 600.000 Menschen umfasst. Etwa die Hälfte ist heute christianisiert, die übrigen haben ihre alte, stark animistisch geprägte Naturreligion Aluk Todolo mit dem Christentum vermischt. Das schlägt sich auch bei Beerdigungen nieder. Die sind nämlich nicht trist und trauerschwer, sondern ausgelassen und fröhlich. Mehrere Tage lang wird gefeiert, gerne auch mit Touristen, die allerdings ein kleines Gastgeschenk (etwa eine Stange Zigaretten) mitbringen sollten. Mitunter dauert die Trauerfeier eine ganze Woche, nicht fehlen darf dabei der rituelle Rundtanz Mabadung, bei dem alle mitmachen und auch singen. Und auch der obligatorische Trauerzug ist begleitet von Gejohle, Lachen und ausgelassenen Rangeleien der Sargträger.