Dass kluger Frauen-Rap nicht im Radio zu hören ist, bedeutet also nicht, dass er tot ist - dieser Artikel ist eine Reminiszenz an die early days und kein Nachruf. Fündig wird man dort, wo Hip Hop seinen Ursprung hatte: im US-Underground. Dort ist die in New York lebende Jean Grae seit den 1990ern eine der wichtigsten Akteurinnen, ihre Wegbegleiter sind Talib Kweli und Mos Def. Ebenfalls merken sollte man sich Psalm One aus Chicago: Die 33-Jährige ist für das "Dusted Magazine" "eine der vielversprechendsten Stimmen im Hip Hop", zuletzt hat sie mit "Hug Life" ihr achtes Album veröffentlicht.

Rapperinnen mit Studienabschluss
Nachwuchs kommt auch aus Chicago: K.Flay hat ihren ersten Rap-Song am College geschrieben, um zu beweisen, dass "jeder rappen kann". Das sei dahingestellt, aber K.Flay - mittlerweile ist die 28-Jährige Stanford-Absolventin - jongliert mit Wörtern, als hätte sie nie etwas anderes getan. Wem ihre Tracks nicht zumindest ein Kopfnicken abverlangen, eine typische Hip-Hop-Geste, sollte das Musikgenre wechseln. Ebenfalls einen Studienabschluss in der Tasche hat Nitty Scott, MC. Bekannt wurde sie durch ihre Zusammenarbeit mit Kanye West, in ihren autobiografischen Texten ("Language Art was my favorite") pocht sie darauf, dass sie ihre Musik nicht auf pretty girl rap reduzieren lässt.

Ganz anders klingt die in Köln lebende US-Amerikanerin Akua Naru. Ihre soulige Stimme erinnert an Erykah Badu, mit dem jazzigen Track "The World is Listening" zollt sie den Rap-Pionierinnen Tribut. Im dazugehörigen Video sitzt sie mit ihren Freundinnen - Homies in Hip-Hop-Sprech - auf den Stiegen eines Hauses und rappt über Sexismus.

Doch auch Großbritannien ist ein guter Nährboden für High-End-Hip-Hop: Noch keine 22 Jahre alt, und Lady Leshurr ist bereits Besitzerin eines Plattenlabels, ihre persönliche Modelinie hat sie nach einem ihrer Mixtapes benannt. Ein wenig aus der Reihe fällt Kate Tempest, sie ist im mit Hip Hop artverwandten Spoken Word beheimatet. Als sie auf dem Glastonbury Musikfestival mit heiserer Stimme und Londoner Slang ihre Gedichte vortrug, war die Halle bis auf den letzten Platz gefüllt. Im Vorjahr erhielt die 27-Jährige den mit 6000 Euro dotierten Ted Hughes-Preis für Poetik.

Literarischer Hip Hop
Die nächste Protagonistin ist ebenfalls Slam-Poetin, dennoch kehren wir zurück zum Sprechgesang: Doris Mitterbacher alias Mieze Medusa ist eine Fixgröße der überschaubaren österreichischen Hip-Hop-Szene. Im April kommt ihr drittes Album "Sparverein der Träume" heraus, und die Sneak Preview verrät: Poesie trifft auf eindringlich-melodische Beats, und es wird experimentell.

Yasmo mit "keinen Platz für Zweifel"
Ein Beispiel dafür, wie literarisch Hip Hop sein kann, lieferte im Herbst letzten Jahres auch Yasmin Hafedh alias Yasmo mit ihrem zweiten Album "Kein Platz für Zweifel", auf dem sie zwischendurch Thomas Bernhard und Friedrich Schiller zitiert. Doch egal ob als Conscious Rapperin Yasmo oder in der Rolle ihres Alter Egos, der britischen Tussi "Miss Lead":