Wien. So einig, wie in der Vorwoche präsentiert, sind sich SPÖ und ÖVP offensichtlich doch nicht in Sachen Modularer Oberstufe. So rückte ÖVP-Bildungsverhandler Werner Amon wieder davon ab, dass man in der Oberstufe künftig mit bis zu drei Fünfern aufsteigen können und nur noch die mit Nicht genügend abgeschlossenen Fächer wiederholen müssen soll. Entsprechend grantig reagierte die SPÖ auf den Rückzieher: Amon knicke wegen Widerstand in den ÖVP-Landesgruppen und wegen ablehnender Umfragen ein.

Amon will jedenfalls bis zum Ende der Begutachtung die Möglichkeit zu Änderungen offen halten. Weder Bildungsministerin Claudia Schmied noch er hätten Einwände, wenn es gute Vorschläge gebe.

Der für gestern, Montag, geplante Beginn der Begutachtung verzögert sich indes - und das nicht wegen Amons Wunsch, nachzujustieren. Der entsprechende Entwurf soll erst im Laufe dieser oder Anfang kommender Woche veröffentlicht werden. Als Grund heißt es aus dem Ministerium, die Reform mache ein aufwendiges legistisches Verfahren nötig. Insgesamt müssten dafür zwölf Gesetze inklusive umfangreicher Erläuterungen geändert werden. Damit sei man nicht rasch genug fertig geworden.

Obwohl der Entwurf also noch nicht einmal veröffentlicht wurde, kam am Montag schon erste heftige Kritik an der Neuregelung der Oberstufe: Das Modell der Modularen Oberstufe könne "in dieser Form nur untergehen", befand Bildungsexperte und Ex-ÖVP-Politiker Bernd Schilcher. Denn: "So ist das nur ein weiterer Teil des Fleckerdeppichs." Statt lauter einzelner Maßnahmen müsse man das "herkömmliche System mit 70 Prozent Frontalunterricht und ohne jede Individualität" generell ändern, erklärte Schilcher anlässlich einer Pressekonferenz zum Bildungsvolksbegehren.

Androsch unzufrieden

Dessen Initiator, Ex-Vizekanzler Hannes Androsch (SPÖ) zeigte sich bei der Gelegenheit "nicht zufrieden" mit der bisher erreichten Anzahl an Unterstützungserklärungen. Es sei zwar erfreulich, dass man weniger als zwei Wochen vor Ende der Frist am 1. Juli "ein Mehrfaches von der Mindestzahl" zur Einleitung des Volksbegehrens gesammelt habe, "aber das ist nicht genug", so Androsch.

Das "Volksbegehren Bildungsinitiative" wird laut den Initiatoren frühestens in der letzten Septemberwoche und spätestens Ende Jänner 2012 starten. Die Forderungen: "Ein faires, effizientes und weltoffenes Bildungssystem", mehr Autonomie für die Schulen, eine "leistungsdifferenzierte gemeinsame Schule bis zum Ende der Schulpflicht", mehr ganztägige Betreuung für die Schüler, eine Aufwertung des Lehrerberufs und eine Erhöhung des Uni-Budgets auf 2 Prozent des BIP bis 2020.