Bregenz/Wien. Die Abschiebung von Lehrlingen sorgt weiter für Diskussionen: Wie ein APA-Rundruf am Donnerstag zeigte, lehnen mehrere Wirtschaftskammern aus den Bundesländern diese Vorgangsweise ab und verweisen etwa auf den Fachkräftemangel. Aus der Bundesregierung erklärte Integrationsministerin Karin Kneissl (FPÖ) allerdings zuletzt, dass keine Gesetzesänderung angedacht wird.

Auch der neue WKÖ-Präsident Harald Mahrer (ÖVP) ist auf Regierungslinie und verwies in einem "Kurier"-Interview vor wenigen Tagen auf die geltende Rechtslage. Asylwerber in Lehre müssten demnach genauso behandelt werden wie jeder andere mit einem negativen Asylbescheid. Fachkräfte-Zuwanderung und Asyl seien außerdem zwei unterschiedliche Themen.

Generalsekretär Kopf will "humane Lösung"

Man habe Verständnis für die Situation von Lehrlingen und Betrieben, geltende Gesetze müssen aber eingehalten werden, erklärte auch WKO-Generalsekretär Karlheinz Kopf am Donnerstag in einer Aussendung.

"Natürlich ist die persönliche Betroffenheit von Lehrlingen und Betrieben zu 100 Prozent nachvollziehbar", Recht müsse aber Recht bleiben, betonte Kopf. Im Sinne der Rechtssicherheit für Unternehmen und Auszubildende drängt der Generalsekretär auf rasche Asylverfahren. Asylwerber seien in der Diskussion um den Fachkräftemangel lediglich ein Teil der Gesamtthematik, gab Kopf zu bedenken. Um den Bedürfnissen der Betriebe gerecht zu werden, strebe die WKÖ jedenfalls eine humane Lösung an.

Vorarlberg: Begonnene Lehre fertig machen

Die Vorarlberger Wirtschaftskammer hingegen spricht sich dafür aus, dass jugendliche Asylwerber eine begonnene Lehre in einem Mangelberuf fertig machen können. Man halte es für "wenig sinnvoll", junge Flüchtlinge während der Ausbildung abzuschieben, so Direktor Christoph Jenny gegenüber der APA. Auch Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) hatte sich im Landtag für einen Verbleib ausgesprochen.

"Es wäre wesentlich vorteilhafter, wenn sie ihre Lehre zumindest fertig machen dürften. Das wäre eine Win-win-Situation. Betriebe müssten nicht eine Ausbildung abbrechen und die Jugendlichen hätten zumindest etwas, was sie in ihre Länder mitnehmen könnten", so Jenny. Das deutsche Modell "3 plus 2", das vorsieht, dass Asylwerber nach dem Lehrabschluss noch automatisch zwei weitere Jahre bleiben dürfen, ist für die Vorarlberger Kammer "durchaus vernünftig". Auf die Frage, wie realistisch er eine Umsetzung einschätze, erklärte Jenny: "Die Hoffnung ist nicht sehr groß, obwohl es ja von allen Seiten Initiativen gibt, jugendliche Asylwerber zu integrieren", dabei "würden wir sie brauchen, gerade in Mangelberufen".