Wien. Mehr traumatisierte Menschen denn je warten derzeit auf einen Psychotherapieplatz bei der Wiener Hilfsorganisation Hemayat, die sich speziell um psychisch belastete Flüchtlinge und Folteropfer kümmert. Das teilte die Organisation am Mittwoch in einer Aussendung mit.

"Mit heutigem Tag verzeichnet das Betreuungszentrum Hemayat 616 traumatisierte Menschen auf der Warteliste, darunter 86 Kinder und Jugendliche. Das ist eine Steigerung von rund 50 Prozent seit Jahresanfang", schrieb die Organisation. Man hätte mit staatlicher und privater finanzieller Unterstützung die Kapazitäten für mehr Plätze in der Einzeltherapie und in Bewegungs- und Kindertherapiegruppen, eine raschere psychiatrische Versorgung und schnellere Krisenintervention ausbauen können. Doch trotzdem sei eine Bedarfsdeckung mit den vorhandenen Mitteln derzeit nicht möglich.

Bedarf steigt weiter

"Die Monatsstatistik Jänner-August 2018 verzeichnet eine weitere Steigerung von elf Prozent bei der Anzahl aller bei Hemayat geleisteten Betreuungsstunden gegenüber dem Vergleichszeitraum 2017. Für das Jahr 2018 zeichnet sich auch bei der Anzahl der betreuten Klienten bereits ein neuer Höchststand ab, der den Anstieg der vergangenen Jahre fortsetzt", hieß es in der Aussendung.

Die "aktuell massiv zurückgehenden Zahlen bei den Asylanträgen" hätten bisher keinerlei Auswirkung auf den Bedarf an therapeutischer Unterstützung für geflüchtete Menschen aus Kriegsgebieten oder mit Foltererfahrungen. "Ganz im Gegenteil, der Bedarf steigt weiter", betonte Cecilia Heiss, Geschäftsführerin der Einrichtung. Mit der Sicherstellung der Mittel für eine ausreichende Versorgung könne man schwere Langzeitfolgen verhindern. Ziel der psychotherapeutischen Behandlung ist es immer, die Gesundheit, Arbeitsfähigkeit und soziale Kompetenz der Klienten wiederherzustellen. "Das ist die grundlegende Voraussetzung für eine erfolgreiche Integration in Österreich", hieß es in der Aussendung.