Der trinkvergnügliche Grüne Veltliner Geppling 2017 von Buchegger ist Siegerwein des Bewerbs "Wiener Zeitung-Weine 2018". Der Gelbe Muskateller ist eine Spezialität aus dem Vorspannhof Mayr. - © Vorspannhof Mayr & Weingut Buchegger
Der trinkvergnügliche Grüne Veltliner Geppling 2017 von Buchegger ist Siegerwein des Bewerbs "Wiener Zeitung-Weine 2018". Der Gelbe Muskateller ist eine Spezialität aus dem Vorspannhof Mayr. - © Vorspannhof Mayr & Weingut Buchegger

In Droß, unweit von Krems an der Donau gelegen, befindet sich der Vorspannhof Mayr. Als vor Zeiten der Transport von Gütern noch mit Pferdefuhrwerken vorgenommen wurde, erfüllte der im 15. Jahrhundert erbaute Vorspannhof eine wichtige Servicefunktion: Wer immer eine größere Last in Richtung Waldviertel verfrachten wollte, konnte dort zur Bewältigung des Droßer Berges und des gebirgigen Gföhler Waldes zusätzliche Pferde vorspannen lassen. Zudem war in dem prächtigen Gemäuer auch noch ein Gasthaus sowie eine Bauern- und Weinwirtschaft untergebracht.

Seit 1898 befindet sich das Anwesen im Besitz der Familie Mayr, die sich in weiterer Folge sowohl mit dem Wirtshaus als auch mit der Weinerzeugung einen ausgezeichneten Ruf erwerben sollte. Seit 2012 wird der Vorspannhof ausschließlich als Weingut geführt. Silke Mayr, die heutige Betriebsführerin, konnte an die Aufbauarbeit ihres Vaters, der sich mit seinen Weinen überregional einen guten Namen gemacht hatte, anknüpfen.

Bereits seit 2006 war das Weingut modernisiert worden. Seit dieser Umgestaltung fungiert der Vorspannhof als Sitz von zwei Weingütern, denn von nun an produzierte und lagerte dort auch Walter Buchegger, der Lebensgefährte von Silke Mayr, seine Gewächse. Beide Weingüter haben heute einen hervorragenden Ruf und werden in den führenden österreichischen Weinguides zu den besten Betrieben des Landes gezählt.

- © Uschi Oswald
- © Uschi Oswald

Als Walter Buchegger im Juni 2018 verstarb, entschloss sich Silke Mayr – um das Andenken des angesehenen Weinmachers in angemessener Weise zu ehren – das von ihm hinterlassene Weingut separat unter seinem Namen weiterzuführen. Mit der Etablierung des Verkostungsraumes in der ehemaligen, heimeligen Gaststube wird auch das Andenken an die langjährige Wirtshaustradition des Hauses bewahrt.

Die Weine des Vorspannhofs Mayr werden im Bereich zwischen Stratzing und Krems angebaut, jene von Buchegger kommen aus der Gegend rund um Gedersdorf. Beide Betriebe, die vorrangig auf Grünen Veltliner und Riesling spezialisiert sind, verfügen über Kremstaler Toplagen und bringen bei ihren Weinen die Sortencharakteristik sowie die Typizität des Gebiets in markanter Weise zur Geltung. Die zum Großteil auf Löss- und Konglomeratverwitterungsböden gedeihenden Gewächse von Buchegger sind herzhaft und mit satter Fruchtausprägung zu charakterisieren, jene des Vorspannhofs sind tendenziell als ziseliert, frisch und reduziert im positiven Sinne zu beschreiben – vor allem die von Urgesteinsböden stammenden Rieslinge der Riede Kremsleithen. Gemeinsam mit Gebling, wo Grüner Veltliner angebaut wird, zählt Kremsleithen zu den besten Lagen des Gebiets.

Das stattliche Droßer Anwesen beherbergt das Weingut Vorspannhof Mayr wie auch das Weingut Buchegger. - © Uschi Oswald
Das stattliche Droßer Anwesen beherbergt das Weingut Vorspannhof Mayr wie auch das Weingut Buchegger. - © Uschi Oswald

Beeindruckt hat uns bei der Verkostung auch der von der Ried Loiser Weg, einer vom Löss dominierten Lage, stammende – im hervorragendem Preis-Wert-Gefüge positionierte – 2017er Grüne Veltliner, der Eleganz, einladende Gelbfruchtigkeit, Ausgewogenheit, Saftigkeit und gute Substanz verspüren lässt, und zwar bei vergnüglichem Trinkfluss (9,50 Euro). Ebenso aus dem Sortiment des Vorspannhofs Mayr stammt der fein ziselierte, blitzsaubere 2017er Gelbe Muskateller mit klarer und zugleich nobler Sortenfrucht sowie stimmigem Säurespiel – ein "Schmeckerter" wie aus dem Bilderbuch (9 Euro). Bereits der Vater von Silke Mayr hatte sich mit Gelbem Muskateller Ansehen erworben.

Aus dem Weingut Buchegger stammt der Grüne Veltliner Geppling 2017, der im Vorjahr den 1. Platz beim Bewerb "Wiener Zeitung-Weine 2018" in der Kategorie Weißweine erreichte. Er präsentiert sich saftig, feinkörnig, zugänglich und freundlich mit edlem Fruchtspiel. Wie es der Bewerb "Wiener Zeitung-Weine" erfordert, ist dieses ausgesprochen preiswerte Tröpfchen mit sehr gutem Trinkfluss gesegnet, dies in einer traumhaft vergnüglichen Art und Weise (9,50 Euro). Als geradezu euphorisierend haben wir Bucheggers mineralisch geprägte, feinstrahlige Rieslinge der Jahrgänge 2016 und 2017 aus der Riede Tiefenthal erlebt (13 Euro). Für Freunde von gravitätischen, dunkelfruchtigen Gewächsen mit reichlich Tiefgang hält das Weingut den Riesling Moosburgerin 2017 bereit (21 Euro). Schließlich sei aus dem reichhaltigen Sortiment noch eine Spezialität des Gebietes, namentlich der Rote Veltliner Tiefenthal 2017, herausgestellt (13 Euro): Er ist griffig und zugleich süffig, verfügt über eine sehr gute Struktur und ist mit bestem Lagerpotenzial gesegnet. Seine Trümpfe wird er gewiss auch noch in zehn bis zwölf Jahren ausspielen.

Print-Artikel erschienen am 15. Februar 2019
In: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 22–23