Mit einer Jahresproduktion von einer Million Flaschen Wein hat Scheiblhofer im Burgenland neue Maßstäbe gesetzt. In den vergangenen beiden Jahrzehnten hat Scheiblhofer (nach dem Vorbild des "American Dream") gewissermaßen den "Burgenländischen Traum" generiert. Gar nicht so wenige transleithanische Winzer versuchen mittlerweile die Scheiblhofer’sche Weinstilistik nachzuahmen, um sich, ebenso wie er, diesen Traum zu verwirklichen.

Aber die Nachahmer tun sich da gar nicht so leicht. Der Erfolg Scheiblhofers resultiert aus einem Zusammenspiel diverser Faktoren. Freilich hat er mit seiner abgerundeten Stilistik den Geschmack zahlreicher Weinfreunde getroffen. Weinbeißer, die nach puristischen, strukturierten, fordernden Gewächsen suchen, tun sich einigermaßen schwer damit. Aber diese sind unter den Weinkunden ohnedies eine Randerscheinung mit vergleichsweise wenig Relevanz. Das Gros der Weinfreunde freut sich über geschliffene, abgerundete Tröpfchen mit einladendem und ausdrucksstarkem Bukett. Genau in dieser Hinsicht hat es Scheiblhofer zur Meisterschaft gebracht. Epigonen bringen das in dieser Abgerundetheit nicht hin, insofern ist Scheiblhofer mit seiner Stilistik eine Marke mit Alleinstellungsmerkmal geworden.

Die S-förmige Kontur des 2011 eröffneten neuen Weinguts zeigt ganz klar den Anfangsbuchstaben des Namens Scheiblhofer. - © Martina Lex
Die S-förmige Kontur des 2011 eröffneten neuen Weinguts zeigt ganz klar den Anfangsbuchstaben des Namens Scheiblhofer. - © Martina Lex

Über den unverwechselbaren Weinstil hinaus haben Marketing und Performance nicht unwesentlich zum Erfolg beigetragen. Die Etiketten-Aufmachung mit der Großtrappe ist eine ebenso geschickte PR-Strategie wie der Name "Big John" für Scheiblhofers berühmte Rotweincuvée, von der, wie Konkurrenten munkeln, pro Jahr alleine 100.000 Flaschen oder sogar wesentlich mehr über den Ladentisch gehen. Die Weinbezeichnung erinnert ein wenig an Robin Hoods Gefährten "Little John", lässt aber auch sonst einen gewissen assoziativen Spielraum, der dem faunischen pannonischen Naturell des Weins entspricht.

Seit drei Jahren gibt es im Bereich des Weinguts Scheiblhofer die "Hall of Legends", eine Eventhalle mit beachtlichen Ausmaßen. - © Steve Haider
Seit drei Jahren gibt es im Bereich des Weinguts Scheiblhofer die "Hall of Legends", eine Eventhalle mit beachtlichen Ausmaßen. - © Steve Haider

Als Scheiblhofer 2011 in Andau das neue Weingut (dessen S-förmige Kontur ganz klar den Anfangsbuchstaben des Namens Scheiblhofer zeigt) eröffnete, stellten sich nicht nur Publikumslieblinge des Österreichischen Rundfunks und Kabaretts, kirchliche Würdenträger sowie Spitzen der burgenländischen Landesregierung ein. Sogar der damals amtierende Bundespräsident, Heinz Fischer, war gekommen. Als Hommage an Heinz Fischer hatten die beiden Weingutchefs Johann und Erich Scheiblhofer unter dem Label "Der Präsident" schon Jahre zuvor eine (mittlerweile preisgekrönte) Cuvée aus den "patriotischen Sorten" Zweigelt, Blaufränkisch und Sankt Laurent kreiert.

Ebenso wie das neue Weingut steht die vor drei Jahren hinzugekommene "Hall of Legends", eine Eventhalle mit beachtlichen Ausmaßen, dem vinophilen Publikum für allerlei Aktivitäten zur Verfügung. Das Spektrum reicht von Verkostungen über locker-lässige Business-Events bis hin zum edlen Gala-Dinner mit Verköstigung auf Haubenniveau. Ganz nebenbei hat Scheiblhofer eine Rotweincuvée mit der Bezeichnung "The Legends" im Sortiment.

Nun setzt Scheiblhofer also mit dem in Planung befindlichen 100-Betten-4-Sterne-Hotel noch eins drauf. Das Projekt umfasst ein Wein-Wellness-Ressort sowie einen Hotelbereich, der in der ersten Phase mit 50 Zimmern errichtet werden soll; die Erweiterung um weitere 50 Zimmer erfolgt sodann in einem zweiten Schritt. Über einen exklusiven Spa-Bereich und ein hoteleigenes Restaurant hinaus werde man auch ein Kinderprogramm bereitstellen sowie ein attraktives regionales Ausflugsangebot empfehlen, war auf Anfrage zu erfahren. Der Baubeginn ist für 2019 in Aussicht genommen. Insgesamt sollen durch das neue Hotel in der Region rund 130 neue Arbeitsplätze entstehen.

Print-Artikel erschienen am 8. Juni 2018
In: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 42–43