Kurt Pätzold und Manfred Weißbecker verfolgten mit ihrer umfassenden Gesamtdarstellung der politischen, ideologischen und organisatorischen Entwicklung der NSDAP eine doppelte Fragestellung. Zum

einen geht es ihnen um die Rolle der Millionen Deutsche, ohne deren Tun und Lassen der Aufstieg der NSDAP-Führer in die Staatsmacht, der Weg in den Holocaust und in den Zweiten Weltkrieg nicht

möglich gewesen wären. Zum anderen untersuchen sie die politischen Interessen, die zur nationalsozialistischen Diktatur und zu dem Versuch führten, ein in der modernen Geschichte beispielloses

Weltreich zu errichten. Dies mündet in die Frage nach dem Verhältnis der deutschen Eliten zu Hitler und zur NSDAP.

Manche Schilderung kommt uns gespenstisch aktuell vor, zum Beispiel: "Mitdenken oder gar selbständiges, an den eigenen Problemen orientiertes Handeln war verpönt. Blind sollten die Mitglieder den

Zielen (der) Parteipolitik folgen, nicht etwa ihren eigenen Interessen, bedenkenlos Handelnde und keine Fragen stellende Ausführende sein. Striktes Akzeptieren aller Entscheidungen der (Partei)-

Führer und vor allem des "Führers" wurde (. . .) auf jeder Stufe der Parteihierarchie durchgesetzt".

Die Autoren weisen unter anderem nach, daß es zu den Legenden gehört, die immer wieder verbreitet werden, daß diejenigen Industriellen und Großagrarier, die sehr früh die Nazi unterstützt haben,

nichts von deren wahren Absichten und Ziele gewußt haben und sich in den NSDAP-Führern geirrt hätten. Im Buch werden auch die Fehler der Arbeiterbewegung aufgezeigt, deren Parteien durch

gegenseitiges Bekämpfen, den Sieg der NSDAP mit ermöglichten. Das 580 Seiten umfassende Buch ist leicht lesbar und gehört in die Bibliothek eines jeden an Zeitgeschichte Interessierten.
Kurt Pätzold/Manfred Weißbecker: Geschichte der NSDAP 1920 bis 1945, PapyRossa Verlag, Köln 1998, ISBN 3-89438-134-5, 503 Schilling