Am Ende seines Lebens und seiner tief gehenden Überlegungen zur Relativitätstheorie deutete Albert Einstein einmal mehr auf seine Gleichungen - sie waren ein steter Versuch, eine einheitliche Feldtheorie zu schaffen und damit alle bekannten Kräfte in einen klaren, vorhersehbaren Zusammenhang zu bringen. Zerknirscht sagte er: "Wüsste ich doch nur mehr von Mathematik." Dennoch basierten zunächst alle seine Überlegungen auf der Mathematik, obwohl sie das physikalische Verhältnis von Materie zu Raum und Zeit beschreiben und eine Theorie der Gravitation beinhalten.

Manche Ergebnisse, die die mathematische Theorie prognostizierte, konnten im späteren Experiment erst später überprüft werden. Der dänische Physiknobelpreisträger Niels Bohr machte mit seinem Atommodell einen wichtigen Schritt zur Entwicklung der Quantenmechanik. Der deutsche Physiker Werner Heisenberg formulierte 1927 die Heisenbergsche Unschärferelation, die eine der fundamentalen Aussagen der Quantenmechanik trifft - nämlich, dass bestimmte Messgrößen eines Teilchens (etwa Ort und Impuls) nicht gleichzeitig beliebig genau bestimmt sind.

Es war, wie der Nobelpreisträger Wolfgang Pauli es formulierte, als könnten wir den Impuls eines Objekts sehen, indem wir es mit dem linken Auge betrachten, und seine Position, indem wir das rechte Auge öffnen. Wenn wir beide Augen gleichzeitig offen hielten, wäre das Bild verschwommen.

Exakt und verständlich

Für Einstein aber waren Wahrscheinlichkeiten nur ein Zeichen für Kenntnislücken - "vorläufige Lösungen", die durch klareres Wissen ersetzt werden würden, sobald die Wissenschaft so weit war. Dass Einstein so versessen auf das Kausalitätsprinzip war, hatte einen Grund. Er glaubte nicht an die Grundsätze der Religionen - seiner Ansicht nach hatte keine göttliche Kraft hinter Moses Schrifttafeln gestanden. Einsteins intellektuelles und spirituelles Leben hing von der Voraussetzung ab, dass alle grundlegende Realität exakt und verständlich ist. Dass man das Universum grundsätzlich nicht kennen kann, wollte er nicht glauben.

Der US-Wissenschaftsjournalist David Bodanis legt ein bemerkenswertes Sachbuch über die Geschichte von Einsteins Irrtum vor, der dazu führte, dass der Physiker sich mit den Erkenntnissen zur Quantenmechanik nicht mehr anzufreunden vermochte, sich auch persönlich zurückzog und die Idee der Unschärferelation verwarf.

Einsteins Theorie legte nahe, dass sich das Universum entweder ausdehnen oder zusammenziehen würde. Damals ging man davon aus, dass es statisch sei. Einstein änderte deshalb seine Berechnungen, indem er eine Konstante einführte, die den vermeintlich "falschen" Schluss beseitigte. Heute ist die Ausdehnung des Universums ein Faktum. Die Konstante könnte neuesten Erkenntnissen zufolge ihre Berechtigung haben.

Im Wesentlichen widerspiegelt sie sich in den späteren Entdeckungen von "dunkler Energie und Materie", die den nötigen Impuls dazu geben, zentrale Konzepte Einsteins wie die Raumzeit neu zu denken. Atheist zu sein, hielt Einstein trotz allem für "überheblich". Für ihn kam Gott in den Naturgesetzen zum Ausdruck.

sachbuch

Einsteins Irrtum

David Bodanis, DVA-Verlag 2017

336 Seiten