Mit dem Wahlsieg von Donald Trump ist nun auch in Amerika ein spezieller "Führer-Typus" an die Hebeln der Macht gekommen. Selbst in Deutschland ist die Zahl derer, die es für vorteilhaft halten, von einem "starken Führer" regiert zu werden, der nicht auf die Zustimmung des Parlaments angewiesen ist, in den letzten Jahren gewachsen. Ähnliches ist in vielen Ländern zu beobachten, nicht nur in Russland und der Türkei.

Niemand kann der deutschen Kanzlerin Angela Merkel Narzissmus oder einen Hang zur Selbstdarstellung gemäß der in diesem Buch des renommierten britischen Historikers und Politologen Archie Brown vorgenommenen Definition vorwerfen. Merkel zeichne sich durch Realismus aus und sei eine sehr kompetente politische Führerin, weshalb sie nicht als "starke Führerin" einzustufen sei. Der Kontrast zwischen Merkel und Trump könnte nicht größer sein, und zwar sowohl in Bezug auf den Führungsstil als auch was die politische Substanz anbelangt, betont Brown. Er untersucht die Erfolge und Misserfolge der größten Demokraten und Diktatoren der vergangenen 100 Jahre. Von Hitler und Stalin über Konrad Adenauer, Nelson Mandela und Michail Gorbatschow bis hin zu Donald Trump, Wladimir Putin und Recep Tayyip Erdogan vergleicht Brown verschiedene Führungsstile.

Hybridregime wuchsen

Heute gibt es global weniger vollkommen ausgereifte autoritäre Regime als vor einem halben Jahrhundert, aber im 21. Jahrhundert haben wir mit ansehen müssen, wie einige Demokratien ihren liberalen Charakter einbüßten, während Hybridregime wuchsen, die autoritäre mit demokratischen Bestandteilen mischten. In der EU haben Ungarn und Polen den Weg des Nationalismus und der Intoleranz beschritten, konstatiert Brown. Russland unter dem Präsidenten Putin hat einen autoritären Weg eingeschlagen, obwohl das politische System noch pluralistische Elemente enthält. Die Türkei ist unter Präsident Erdogan speziell nach dem misslungenen Putschversuch auf dem Weg zu einem autoritäreren Staat in osmanisch-imperialen Dimensionen. Politische Führer in demokratischen Systemen, die glauben, sie hätten einen persönlichen Anspruch darauf, die Entscheidungsfindung in zahlreichen Politikbereichen zu dominieren, und versuchen, ein solches Vorrecht wahrzunehmen, schaden nicht nur der guten Regierungspraxis, sondern auch der Demokratie. Sie verdienen keine Gefolgschaft, sondern Kritik. Lesenswert.