Er verkörperte wie kein Anderer die dunklen Seiten des Österreichers: Helmut Qualtinger, Schauspieler, Autor, Kabarettist, der am 8. Oktober neunzig Jahre alt geworden wäre. Er spielte (und schrieb mit Carl Merz) den Herrn Karl, den Fleischhauer Oskar in den "Geschichten aus dem Wiener Wald" und ein gesamtes Ensemble für "Die letzten Tage der Menschheit". Er brachte die Leute zum Lachen und zum Weinen - und hätte sie gerne öfter zum Denken gebracht. Wie schwierig das freilich ist, konnte Qualtinger bei einem seiner literarischen Lehrmeister nach- und vorlesen. "Der Menschheit wird die Kugel bei einem Ohr hinein und beim anderen herausgegangen sein", schrieb Karl Kraus über den Ersten Weltkrieg.

Nach zehn Jahren Kabarett zog Qualtinger die Konsequenz aus der erdrückend gewordenen Zuneigung des Publikums: "Sie vernichteten uns mit Applaus. Deshalb habe ich aufgehört."

Nun widmet ihm sein Biograph Georg Biron eine Hommage, bei der ihn Roman Gregory, Tini Kainrath, Christoph Krutzler, Robert Reinagl, Mario Schober sowie Katharina Stemberger unterstützen. Dabei erwarten die Zuschauer in der Komödie am Kai sowohl Anekdoten und urbane Mythen wie Texte und Szenen Qualtingers.

Biron selbst gibt den Herrn Karl, den immer wieder aktuellen Typus des Mitläufers, bei dem ausgepräftes Selbstmitleid jede Erkenntnis persönlicher Schuld erfolgreich verhindert.

"Dem Qualtinger sein Neunziger"

Am 14. und15. sowie am 21. und 22. Oktober 2018 um 20.15 in der Komödie am Kai. Franz-Josefs-Kai 29, 1010 Wien.

Tickets unter: (01) 5332434 bzw. online.