Quelle der Kreativität: Martin Schwarzinger spuckt Wasser.
Quelle der Kreativität: Martin Schwarzinger spuckt Wasser.

Vor einem Jahr ist die Gemäldegalerie an der Akademie der bildenden Künste mit dem Titel "Die Rückkehr der alten Meister" wieder eröffnet worden. Nun schicken die Studierenden eine kraftvolle Reaktion mit "Die Rückkehr der alten Geister" hinterher. Ihr Interesse gilt nicht Tizian oder Bosch, die in besonderen Gemälden vorhanden sind, sondern sie fragen nach der Konstruktion und Politik im Umgang mit dem ehemaligen künstlerischen Lehrbehelf durch Gemälde, Gipse und Grafiken des Kupferstickkabinetts. Dabei sind die postkoloniale Sicht sowie jene auf die Konstruktion von Geschlecht und romantischem Geniebegriff zwar eine Art Exorzismus alter Lehre, das aktuelle Umdenken passiert aber nicht mehr wie in der klassischen Moderne als zerstörerische Revolution.

Keine Gipse werden in den Hof gestürzt, wenn Natalie Koger die Glyptothek auf institutionalisierte Geschlechterrollen untersucht: Sie wählt dafür eine klassisch griechische Amazone, Typus Mattei, ehemals Phidias zugeschrieben. In der hiesigen Kopie und in den Grafiken sind ihr die Waffen abhanden gekommen, sie bleibt jedoch Verweis auf eine alternative Gesellschaftsordnung und führt ein kämpferisches Frauenbild vor.

Neue Präsentationsformen


Die Gruppe von Studierenden um Tobias Dörler hat sich der strengen Symmetrie der Ausstellungsräume entledigt und einen Einbau mit Schrägen, Korridoren und Leerräumen geschaffen, hinter und aus dem sich neue Präsentationsformen ergeben. Claudia Lomoschitz und Jaime Nagl haben an der Wand durch Auskratzen die Schichten von Wandbemalungen bis zum Originalanstrich der Hansenzeit Hinweise auf die jeweiligen Kuratoren- und Zeitgeschmäcker freigelegt. Im Eingangskorridor sind Drucke nach den Aquarellen des Brasilienfahrers Thomas Ender in einer Serie gehängt. Doch Heike Jooß und Karoline Maisch haben die Palmen und Exotismen ausgespart und damit jegliches Nationale getilgt - die schönen Allerweltsbilder zerstören die kolonial-eurozentristische Sicht des 19. Jahrhunderts auf Brasilien.

In Fortsetzung hinterfragen akademisch erzeugte Tapetenornamente aus dem Haus ab dem 18. Jahrhundert ihre symbolischen Wertesysteme. Dabei ist diese Phase weltoffener als der Historismus, doch die neuen Vorschläge der Künstler setzen sich aus Fotofragmenten antikapitalistischer Demonstrationen zusammen und machen Muster zur kulturellen Vernetzung; dazu haben Karl Doppler und Jaime Nagl auch ein Musterbuch entworfen.

Katharina Luksch hat ein im Original nicht einsehbares mixtekisches Buchwerk, den "Codex Vindobonensis Mexicanus I" der Nationalbibliothek, nachgezeichnet, beforscht und eine neue künstlerische Stimme gegeben - bei ihr ist die Kritik an der eurozentristische Sicht Teil einer poetischen Neuordnung der Dinge.

Alte Meister neu gestellt


Das romantische Künstlerbild mit dem heutigen stellt Martin Schwarzinger in zwei Videos gegenüber, in denen er performativ die alten Meister nach Gemälden und ein Video von Bruce Nauman nachstellt. Die nicht versiegende Quelle der Kreativität zeigt sein kopiertes Spucken von Wasser auf einen Spiegel. Vier Studierende um Cana Bilir-Meier haben die österreichische Künstlerin Soshana, die in kaum einer Sammlung in Wien aufscheint, in den Mittelpunkt neuer Forschung gestellt.

Die Bilder und Filme der 1927 geborenen und danach als Jüdin im Exil aufgewachsenen Schülerin des Hauses, die ständig Reisen unternahm, zeigen eine spannende Position zwischen Informel und Film, eine Wiederentdeckung, die mit Dokumentarfilm eine Kooperation mit dem Filmarchiv Austria begründet, in dessen Studiokino weitere Filme in einem begleitenden Symposium vom 27. bis 29. Oktober präsentiert und besprochen werden.

Ausstellung

Die Rückkehr der alten Geister
Marion von Osten (Projektleitung)
Xhibit der Akademie
bis 13. November