Über 60 Jahre ist Michael Gira nun. Im Vergleich zu anderen Musikern seiner Generation, die mit kontemplativen Alterswerken oder langweiligen Neuauflagen alter Erfolge hausieren gehen, hat das gnadenlose Vergehen der Zeit seine künstlerische Kraft nicht geschwächt. Vor sechs Jahren gründete er die Swans neu - jene experimentelle New Yorker Band also, mit der er von 1982 bis 1997 den kompromisslosesten Post-Punk seiner Zeit machte. Und wenn Gira heute auf der Bühne steht, spielt er stets mehr als zwei ohrenbetäubend laute Stunden lang die intensivsten Konzerte der Gegenwart.

Leider waren ausgerechnet die zwei besten Alben der ersten Inkarnation der Swans lange Zeit nicht mehr erhältlich. Dankenswerterweise werden sie nun jedoch vom Label Mute als Remasters wieder zur Verfügung gestellt - und dies sogar mit einer randvollen CD an Bonusmaterial.

"White Light From The Mouth Of Infinity" und "Love Of Life" erschienen zu Beginn der 1990er Jahre. Sie bilden mithin die mittlere Periode der ersten Werkphase und zugleich deren musikalische Höhepunkte. Die unerbittliche Brutalität der frühen Platten wie "Filth" (1983), "Cop" (1984) oder "Holy Money" (1986) und das kommerzielle Desaster der sanften, eingängigen Dark Americana auf "The Burning World" (1989) wurden auf "White Light From The Mouth Of Infinity" zu einer Synthese aus hell und dunkel, laut und leise, leicht und schwer verschmolzen.

Die Art und Weise, wie Gira und seine damaligen Mitstreiter hier Gitarrengekreische mit orchestralen Glockenklängen zusammenbringen, macht das Album zu einer der bestechendsten Platten der Neunziger.

Der Nachfolger "Love Of Life" wiederum vermag die Spannung zwischen den Gegensätzen nicht ganz gleichermaßen zu Meisterwerken wie "The Most Unfortunate Lie" oder "Failure" gerinnen zu lassen, verfügt aber ebenso über solide Highlights wie das überwältigende "In The Eyes Of Nature". Gegen die jetzt wieder allenthalben propagierte Adventszeit ist der brachiale wie schöne Lärm der Swans das beste Gegenmittel.