In der Wiener Sonnenfelsgasse gab es einst ein schlicht "Die Bar" benanntes Lokal, in dem ich die Musik von Sade so oft gehört habe, dass sie sich für mich mit dessen Ambiente zu einer zeitlosen mentalen Soundinstallation verbunden hat. Höre ich die Stimme der nigerianisch-britischen Sängerin - egal, wo -, stellt sich bis heute sogleich das spezifische "Bar"-Gefühl ein.

Die einzige Musik, die dieser synästhetischen Erinnerung Konkurrenz macht, ist jene von Honne, dem britischen Electro-Soul-Duo. Das erweist sich auch mit dem zweiten, kürzlich erschienenen Album, "Love Me / Love Me Not", dessen schleichende und pluckernde Beats, lazy gesäuselte Vocals und smooth wärmende Refrains allesamt "Bar"-tauglich sind: Sie erzeugen eine spätnächtliche, leicht psychedelische Stimmung, in die man so bereitwillig hineingleitet wie in ein Schaumbad. Das dürfte überall funktionieren. Das Debütalbum von James Hatcher und Andy Clutterbuck, "Warm On A Cold Night" (2016), fuhr etwa in Südkorea gleich Dreifach-Platin ein. Nach dem Aufglimmen von diesmal zwölf Honne-Glühwürmchen dimmt der Barkeeper langsam das Licht herunter. Gute Nacht.