Spricht man von Tschaikowskys Klavierkonzert, meint man im Allgemeinen sein b-Moll-Konzert. Der Komponist hat aber zwei weitere Klavierkonzerte geschrieben. Das zweite in G-Dur war nun im Wiener Musikverein zu hören. Mit Interpreten, die mit diesem selten zu hörenden Werk wohlvertraut sind: das Tschaikowsky Symphonieorchester Moskau und Chefdirigent Vladimir Fedosejev.

Die Solistin Elisabeth Leonskaja näherte sich dem Konzert mit Respekt vor den kompositorischen Details und hielt die musikalische Erzählung in stetem Fluss. Dem lyrischen Seitenthema des großdimensionierten Kopfsatzes folgte sie liebevoll bis in jede Verästelung. Aus diesen spannungsreichen, ruhigen Passagen schöpfte sie Kraft für die virtuosen Emotionsausbrüche. Auch in den Kadenzen war sie an der Entwicklung des thematischen Geschehens interessiert. Im zweiten Satz hielt Leonskaja das Publikum mit Seufzer-Motiven in Atem. Das abschließende Allegro con fuoco mit seinen Volksmusik-Anklängen würzte sie mit dem Humor erbarmungsloser Motorik.

Klangschwelgerei und ein paar unscharfe Einsätze prägten Tschaikowskys Orchestersuite Nr. 2. Man legte das Augenmerk eher auf klangliche Entwicklung als auf rhythmische Energie. Ein krachender Konzertabschluss war mit der Ouverture solennelle "1812" garantiert - zumal Fedosejev, seit 1974 Chefdirigent, dieses Werk wirkungsvoll aufzubauen wusste. Der Singverein der Gesellschaft der Musikfreunde Wien lieferte einen breit strömenden orthodoxen Choral, die Wiener Sängerknaben Momente tänzelnder Prägnanz.