- © Field Museum, Corrie Moreau
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Chicago. Vor Millionen Jahren nahmen räuberische Ameisen eine enge Beziehung zu Pflanzen auf und nutzten sie als Nahrungsquelle. Erst später entstanden bei Pflanzen spezielle Merkmale, um die Ameisen gezielt anzulocken oder bei sich zu halten - zum Beispiel als Kampftruppe gegen Fressfeinde. Über die Entstehung dieser Symbiose berichten US-Forscher im Fachblatt "Pnas".

"Diese stufenweise Verschiebung hin zu einer zunehmenden Abhängigkeit von Pflanzen mag intuitiv erscheinen, für uns war es dennoch überraschend", betont Matthew Nelsen vom Field Museum of Natural History in Chicago. Einige heutige Ameisenarten leben eng mit bestimmten Pflanzen zusammen. Sie nutzen etwa Dornen als Verstecke oder trinken Nektar und andere Pflanzensäfte. Von der Beziehung profitieren beide Seiten: Die Pflanzen wehren mit Hilfe der Ameisen Schädlinge ab oder lassen ihre Samen von den kleinen Insekten verteilen.

Die Wissenschafter fragten sich, wann diese symbiotische Beziehung eigentlich entstanden ist. Um das zu beantworten, schauten sie sich die Entwicklungsgeschichte von mehr als 1730 Ameisenarten und mehr als 10.000 Pflanzengattungen genau an. Sie fanden heraus, wann bestimmte Merkmale in Ameisen und Pflanzen auftauchten. Die Analyse zeigt, dass zunächst räuberische, am Boden lebende Ameisenarten begannen, in die Höhe zu klettern und Pflanzen als Lebensraum zu erobern. Dann fingen einige Arten an, Pflanzen auch als Nahrungsquelle zu nutzen. Das geschah in der Unterkreide, dem Abschnitt der Erdgeschichte, der vor 145 Millionen Jahren begann und vor gut 100 Millionen Jahren endete.

Gegen Ende der Oberkreide verlegten einige Arten ihren Lebensmittelpunkt ganz auf Pflanzen und legten dort auch ihre Nester an. Die meisten dieser Anpassungen seien jedoch später entstanden, in der Erdneuzeit. Die begann vor 66 Millionen Jahren, als die Dinosaurier ausstarben, und dauert bis heute an.

Die Studie ergab auch, dass die Pflanzen die speziellen Merkmale, von denen Ameisen profitieren, erst später entwickelten. Nektardrüsen tauchen in der späteren Kreidezeit auf. Spezielle Verstecke (Domatia) für die Tiere etwas verzögert zuletzt.