Nuno Maulide ist Professor für Organische Synthese an der Fakultät für Chemie der Universität Wien. Der 1979 in Lissabon geborene Forscher ist auch studierter Konzertpianist und verbindet gerne die beiden Fächer in Form von Vortragskonzerten. Seine Fähigkeit, sein vielleicht etwas kompliziert erscheinendes Fach lebendig und alltagsnah für Jung und Alt zu vermitteln, war ausschlaggebend für die Entscheidung, den Träger zahlreicher Forschungspreise auch zum "Wissenschafter des Jahres" 2018 zu wählen. Mit der Auszeichnung ehrt Österreichs Klub der Bildungs- und WissenschaftsjournalistInnen heuer bereits zum 25. Mal Forscher und Forscherinnen, deren Arbeit nicht nur wissenschaftlich relevant ist, sondern die sich auch besonders darum bemühen, sie einer breiten Öffentlichkeit gut verständlich zu vermitteln.

"Wiener Zeitung": Sie sind Chemiker. Das Wort Chemikalie ist in der Bevölkerung jedoch vorwiegend negativ besetzt und wird als kompliziert und schwierig gesehen. Wie gehen Sie mit dieser Tatsache um?

Nuno Maulide: Das finde ich tragisch. Wir Chemiker sind jedoch selbst daran schuld, dass unser Arbeitsmittel, die Chemikalie, negativ gesehen wird. Es fehlt an der nötigen Kommunikation nach außen. Bio-Nahrung wird als gut angesehen - doch alles in unserem Leben ist Chemie. Ohne sie wäre das Leben gar nicht möglich. Wenn wir zu Hause kochen, ist das Chemie. Wenn wir uns duschen, ist das Chemie. Sie begleitet uns jeden Tag - und das ganz nebenbei. Das ist den Menschen nicht bewusst. Daher müssen wir mehr und besser kommunizieren.

Sie engagieren sich für eine bessere Kommunikation mit der Bevölkerung und wurden dafür auch zum Wissenschafter des Jahres 2018 gewählt. Weiters ist 2019 das Internationale Jahr des Periodensystems der chemischen Elemente. Ist das in Summe eine Basis, um am Stellenwert zu zimmern?

So betrachtet, könnte 2019 für das Außenbild der Chemie eine gute PR-Maßnahme werden. Die Kombination ist spannend. Und erstmals hat nun mit mir ein Chemiker diese Auszeichnung erhalten. Man sollte über Initiativen nachdenken - und sich an der Physik ein Beispiel nehmen.

Die Physik trumpft mit Forschungsstätten auf. Da gibt es Riesenteleskope, kilometerlange Teilchenbeschleuniger - viele imposante Objekte, die Physik irgendwie begreifbar machen. Findet die chemische Forschung zu versteckt statt?