Reste des Hadriantempels in Ephesos erhalten. - © © Bob Krist/Corbis
Reste des Hadriantempels in Ephesos erhalten. - © © Bob Krist/Corbis

Wien. Das "Hanghaus 2" in der archäologischen Grabung von Ephesos wurde vor genau 50 Jahren - nämlich 1962 - in der Türkei entdeckt. Es gilt als eine der Hauptattraktionen der Grabungsstätte. Bundespräsident Heinz Fischer hatte als damaliger Wissenschaftsminister in Österreich die Grundlagen für die Freilegung geschaffen, betonte die Grabungsleiterin und Wissenschafterin des Jahres, Sabine Ladstätter, am Mittwoch vor Journalisten.

Das Hanghaus 2 sei ein Sinnbild für archäologische Methoden und die Entwicklung der Restaurierungswissenschaften, erklärte die Archäologin. Aufgrund der Tatsache, dass die Hanghäuser zwischen 270 und 280 nach Christus bei einem Erdbeben zerstört wurden, sei alles erhalten geblieben. Es fanden sich Einkaufslisten, Kinderspielzeug, aber auch religiöse Gegenstände - damit komme man den Menschen sehr nahe. Bereits mehr als 100.000 Besucher haben den Archäologen hautnah bei ihrer Arbeit im Hanghaus zugesehen, berichtet Ladstätter. Mitte Juni wird sie Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle und Heinz Fischer vor Ort das Endergebnis der Grabungen präsentieren.

Einer der Schwerpunkte der diesjährigen Arbeiten in Ephesos sind luxuriöse Häuser aus der Spätantike - 5. bis 7. Jahrhundert. Südlich der Marienkirche liegt ein Gebäudekomplex mit rund 1200 Quadratmetern Grundfläche und einem Obergeschoß. Mit Hilfe modernster Methoden wurde dieser Komplex entdeckt. Der Erhaltungszustand der Häuser ist laut Ladstätter sehr gut.

Ein weiterer Schwerpunkt der Forschungsarbeit 2012 wird die Hafenlandschaft sein. Doch die Erkundung sei allein mit archäologischen Methoden nicht mehr bewältigbar, so die Forscherin. Experten aus Bereichen wie Geologie, Anthropologie, Geographie oder auch Turkologie werden interdisziplinär zusammenarbeiten.

Ephesos war eine Hafenstadt, liegt heute jedoch acht Kilometer vom Ufer entfernt. Von Flüssen abgelagerte Sedimente haben zu einer Verlandung des Gebiets geführt. Untersuchungen von Pollen aus Bodenbohrungen hätten gezeigt, dass im 2. und 1. Jahrhundert vor Christus die Landwirtschaft stark intensiviert und die Hänge abgeholzt wurden. Die Thermen- und Heizkultur war damals entstanden. Dadurch ist es zu einer verstärkten Erosion der Hänge gekommen. "Der Mensch hat sich die eigene Lebensader abgegraben", so Ladstätter.

Vorurteile abbauen


Die Archäologen wollen sich aber auch dem türkischen Ephesos ab dem 14. Jahrhundert widmen. Den jährlich zwei Millionen Besuchern wolle man einen Einblick in die islamisch-türkische Kultur geben. "Man kann dadurch sehr viel Wissen vermitteln und Vorurteile abbauen", sagte die Wissenschafterin. Derzeit wird von der türkischen Regierung ein Antrag auf die Anerkennung als Weltkulturerbe vorbereitet, den Ladstätter voll unterstützt. "Das wäre auch für uns ein Meilenstein". Wissenschaftsminister Töchterle sprach über Ephesos von einem "Leuchtturm der österreichischen Archäologie" und einem "Paradebeispiel für universelle Forschung".