Dear Mr. Eisenhower. Schon wieder eine dieser unsäglichen Interventionen. Dieser Saint-Exupéry ist hartnäckig. Eigentlich war er ausgemustert, zu alt fürs Cockpit, zu lange draußen aus dem Geschäft. Doch Washington hat ihm via Sondergenehmigung gestattet, wieder zu fliegen. Was aber nicht heißt, dass man ihn nun auch an den Steuerknüppel der brandneuen Maschinen lässt.

In der Lockheed P-38 Lightning, dem technisch wendigsten Aufklärer der US-Luftstreitkräfte, sitzen bestens trainierte, körperlich fitte Typen in ihren Zwanzigern. Älter als dreißig dürfen sie für derlei heikle Einsätze nicht sein, so die offiziellen Vorgaben. Und nun kommt dieser Saint-Exupéry daher und glaubt, er könne mit den jungen Burschen mithalten, ein 43-jähriger, etwas dicklicher Mann ohne jede Erfahrungen mit der P-38. Was also machen mit einem Kerl, der dafür brennt, gegen den Faschismus in den Krieg zu ziehen?

Hafenstadt Bastia: Letzte Spur des Piloten Saint-Exupéry. - © gemeinfrei
Hafenstadt Bastia: Letzte Spur des Piloten Saint-Exupéry. - © gemeinfrei

Die USA bleiben skeptisch. Die Zeit eines Saint-Exupéry scheint vorbei. Doch der alternde Held will nicht abtreten. Dwight D. Eisenhower, Oberbefehlshaber der alliierten Truppen bei der Landung in Sizilien, befiehlt seinem Team, Informationen einzuholen:

Antoine de Saint-Exupéry, 1900 in Lyon geboren, französischer Staatsbürger. Pilot, Journalist und weltberühmter Autor. Abenteurer, einige Versuche, Langstreckenflüge durchzustehen, etliche Abstürze. Reporter im Spanischen Bürgerkrieg. Wurde bei Kriegsausbruch 1939 zur Armée de l’air eingezogen, wo er Piloten ausbildete und Erkundungsflüge für die Aufklärungsstaffel II/33 unternahm. Exil in den USA seit 31. Dezember 1940. Abreise nach Nordafrika im April 1943.

Antoine de Saint-Exupéry ist nicht zu bremsen, das weiß man. "Die Intellektuellen halten sich in Reserve wie Marmeladetöpfe auf den Regalen der Propaganda, um nach dem Krieg aufgegessen zu werden", hat er in seinem Roman "Flug nach Arras" gespottet. Das würde ihm nicht passieren. Im Juni 1943 ist er zu den wenigen noch verbliebenen Kameraden von der früheren II/33 gestoßen. Das Geschwader wird Ende des Monats von Marokko nach Algerien verlegt.

Als die USA dort ihre P-38 präsentieren, sind die Piloten begeistert. Auch Saint-Exupéry, inzwischen zum Kommandanten befördert, will unbedingt an Bord. Wie es wirklich um ihn steht, verheimlicht er: Er ist psychisch und physisch ein Wrack, sein Körper von Unfällen und Abstürzen lädiert, seine Seele von Depressionen gebeutelt.

"Ich habe so viele Unfälle erlebt", hat er seiner Frau Consuelo kurz vor der Abreise nach Afrika geschrieben. "Ich kann nicht einmal mehr mit dem Fallschirm abspringen. Meine Leber ist an zwei von drei Tagen blockiert und an einem von zwei Tagen bin ich seekrank. Ein Ohr brummt seit einem Knochenbruch in Guatemala Tag und Nacht. [. . .] Ich fühle mich so schwach, so ungeheuer schwach. [. . .] Ich gehe nicht, um zu sterben. Ich gehe, um zu leiden und so mit den Meinen zu kommunizieren. Ich habe nicht den Wunsch, mich töten zu lassen, aber ich akzeptiere sehr gerne, so einzuschlafen."