Im Gefolge des mit Ende der 1820er Jahre einsetzenden heftigen Modernisierungsschubes verschlechterten sich die Lebensumstände des rasch anwachsenden "Fabriksproletariats" noch weiter. Die Wohnungsnot nahm ungeahnte Dimensionen an: Einer Bevölkerungszunahme von rund 40 Prozent seit 1830 stand eine Vermehrung des Wohnungsbestandes von lediglich 10 Prozent gegenüber. An der Peripherie der Vorstädte sammelte sich in slumartigen Auffangquartieren eine frühindustrielle Unterschicht aus Taglöhnern und Gelegenheitsarbeitern; Tausende von Obdachlosen wurden allabendlich von der Polizei über die Linie auf "freies Feld" verbracht.

Massive Brottumulte

In wilden Tumulten begann sich die Fabrikarbeiterschaft gegen ihre schrankenlose Ausbeutung aufzulehnen. 1843 bis 1846 kommt es zu Revolten in Brünn, Prag, Reichenberg und anderen böhmischen Städten, 1847 greifen diese auf Wien über; in Fünf- und Sechshaus brechen, vor dem Hintergrund einer katastrophalen Missernte, massive Brottumulte aus. Als dann, am 13. März 1848, anlässlich einer Sitzung im niederösterreichischen Ständehaus in der Herrengasse, die Rufe von Studenten und Bürgern nach einer Verfassung und den bürgerlichen Freiheitsrechten immer lauter werden, erheben sich die Wiener Vorstädte in Revolte und Maschinensturm.

Josef Albrecht: Schauerliche Scene bei der Mariahilferlinie in der Nacht vom 13. März 1848. Kreidelithographie.
Josef Albrecht: Schauerliche Scene bei der Mariahilferlinie in der Nacht vom 13. März 1848. Kreidelithographie.

Mit Prügeln, Latten, Steinen und Schaufeln bewaffnet, ziehen die rebellierenden Massen über die Mariahilfer Straße gegen die Innenstadt, um sich den Forderungen anzuschließen. Der Versuch, eine Petition an Kaiser Ferdinand zu überbringen, kulminiert in einem riesigen Demonstrationszug. Es fallen Schüsse vor dem Ständehaus - Erzherzog Albrecht erteilte den Schießbefehl - und es kommt zu ersten Todesopfern.

Während ein Teil der vorstädtisch-proletarischen Demonstranten "heulend, wie hungernde Wölfe" die Stadtmauern umstreift, werden auf dem Glacis die Gasleitungsrohre und die riesigen Gaskandelaber vor dem Burgtor aus dem Boden gerissen und das ausströmende Gas entzündet. Clemens Wenzel Metternich - die Personifizierung des alten, vormärzlichen Systems mit seinem Spitzelwesen, seiner überzogenen Zensur, seinen Adelsprivilegien und autoritären, ja diktatorischen Strukturen - wird in der Nacht vom 13. auf den 14. März aus dem Land vertrieben. Ein riesiger Feuerwall um Wien begleitet das Ende seiner Herrschaft.

Die Mehrheit der Revoltierenden strömt gegen Abend zurück und verwüstet an der Linie jene Mautstellen, wo die allseits verabscheute und für die überteuerten Lebensmittelpreise verantwortliche "Verzehrsteuer" eingehoben wurde. Der darauf folgende Sturm auf Manufakturen und Fabriken wird von gellendem, alles durchdringendem Geschrei, "Katzenmusik", Drohungen und Einschüchterungen begleitet.

Zorn, Erbitterung und die lange aufgestaute Wut richten sich gegen die eben erst zum Einsatz gebrachten, neuartigen Maschinen - Symbol wie konkreter Ausdruck eines grundsätzlich geänderten Kapital-Arbeit-Verhältnisses, verantwortlich gemacht für kontinuierliche Lohnreduktion, Hunger und Arbeitslosigkeit. Maschinen werden zerstört, Produktionsstätten in Brand gesetzt, die Wohnhäuser einiger Fabrikanten angezündet. Die Maschinenstürmer brachten aber auch, wie Ernst Zenker 1897 berichtet, "den wegen ihrer Menschlichkeit und Leutseligkeit in gutem Rufe stehenden und beliebten Fabrikanten Ovationen dar, schützten deren Häuser vor Brand und Plünderung und sahen überhaupt streng darauf, daß die Akte rächender Volksjustiz nicht von anderen zu Raub und Diebstahl mißbraucht würden".