Das Ozonloch auf einer Aufnahme vom 1. September 2014. - © Nasa/Empa
Das Ozonloch auf einer Aufnahme vom 1. September 2014. - © Nasa/Empa

Wien. Zumindest ein Problem für den Menschen und seine Umwelt auf diesem Planeten hat sich zuletzt nicht verschärft. Laut einem von der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) und dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (Unep) präsentierten Expertenbericht könnte sich sogar die Ozonschicht wieder erholen.

1985 hatten Satellitenmessungen die Alarmglocken läuten lassen. In der Ozonschicht, dem Schutz der Erde vor gefährlicher, krebserregender UV-Strahlung, hatte man über der Antarktis eine große Lücke entdeckt. Erstaunlich rasch einigten sich Politiker 1987 auf das Montreal-Protokoll, in dem ozonschädliche Stoffe, insbesondere Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) verboten wurden. 197 Staaten haben diesen Vertrag ratifiziert. Seit 1987 hat man acht internationale Expertenberichte zum aktuellen Stand der Ozongefährdung publiziert, den jüngsten soeben in New York.

Eine Aussendung der Schweizer Forschungsinstitution Empa (entstanden aus der "Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt"), die mit Stefan Reimann einen Hauptautor dieses Berichts stellte, fasst die wichtigsten Inhalte zusammen. Dazu gehört vor allem, dass sich zwar das Ozonloch über der Antarktis noch immer in jedem Winterhalbjahr öffnet, aber seit der Jahrtausendwende nicht mehr wächst, sondern gleich geblieben ist. Es gibt sogar Hinweise auf eine langsame Verbesserung der Lage. Aus Modellrechnungen geht hervor, dass sich 2050 die Ozonschicht wieder im Zustand von 1980 befinden könnte.

Die Konzentration der meisten im Montreal-Protokoll genannten Ozonkiller-Substanzen (vor allem FCKW) geht zurück. Das bestätigen langjährige Messungen, unter anderem auf dem Schweizer Jungfraujoch. Auch die Emissionen der früher als Ersatz eingeführten und ebenfalls ozonschädigenden HFCKW haben sich auf hohem Niveau stabilisiert und werden in Zukunft abnehmen. Unter HFCKW versteht man teilhalogenierte Fluorchlorkohlenwasserstoffe, deren Wasserstoffatome nur teilweise durch Chlor- und Fluoratome ersetzt sind. Weltweite Messnetze wirken heute wie Frühwarnsysteme und stellen sicher, dass Emissionen von potenziell gefährlichen Stoffen rasch erkannt werden können, sogar in sehr geringen Konzentrationen.

Ersatzstoffe haben oft ein hohes Treibhauspotenzial


Viele Fragen sind noch offen. Während etwa die klassischen Ozonkiller langsam verschwinden, steigt die Menge an Fluorkohlenwasserstoffen (FKW), mit denen man die ozonabbauenden Stoffe in jüngerer Zeit ersetzt, um etwa sieben Prozent pro Jahr. Diese Substanzen schädigen die Ozonschicht nicht, doch sie haben oft ein hohes Treibhauspotenzial und tragen stark zur globalen Erwärmung bei. Auch sie sollten in Zukunft ersetzt werden.

Eine signifikante Bedrohung der Ozonschicht bilden FCKW, die früher etwa in Isolierschäumen und Kühlanlagen eingebaut wurden. Beim Recycling dieser Anlagen ist es wichtig, dass die FCKW abgetrennt und durch Verbrennung vernichtet werden, sonst würden diese Altlasten die Ozonschicht mehr schädigen als alle neu produzierten Stoffe.