Genf/London/Marrakesch. Kurz vor der Weltklimakonferenz in Bonn schlagen UN-Organisationen, Mediziner und Ökonomen Alarm. Die Konzentration der Treibhausgase in der Atmosphäre sei so schnell gestiegen wie nie zuvor. Der Klimawandel schade bereits jetzt der Gesundheit vieler Menschen. Zudem müssten die Länder noch viel mehr als bisher geplant tun, um einen Klimakollaps abzuwenden.

Das ist die Faktenlage für die Weltklimakonferenz in Bonn, die am kommenden Montag beginnt. Selbst bei Einhaltung aller bisher von den Ländern vorgelegten Klimaschutzzusagen wird sich die Erdtemperatur laut UN-Umweltprogramm (UNEP) um mindestens drei Grad im Vergleich zur Zeit vor der Industrialisierung erhöhen. Dieses mahnende Zwischenzeugnis präsentierte das Programm in Genf. Im Pariser Abkommen hatten die Staaten vereinbart, die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad zu begrenzen, auf jeden Fall aber auf deutlich unter zwei Grad.bereits 1,2 Grad wärmer

Bereits um 1,2 Grad wärmer

Nach Angaben der Weltwetterorganisation (WMO) ist es auf der Erde bereits 1,2 Grad wärmer. Das Zwei-Grad-Ziel gilt als äußerste Grenze, um katastrophale Klimafolgen abzuwenden. Viele Forscher warnen schon bei plus 1,5 Grad vor kaum tragbaren Folgen für die Menschheit: Schmelzen der Eiskappen, Anstieg der Meeresspiegel, mehr Wetterextreme. "Es besteht dringend Bedarf, die kurzfristigen Maßnahmen zu beschleunigen und die langfristigen Ziele ehrgeiziger zu gestalten", heißt es im UNEP-Report. Die Klimaziele der Staaten ergäben nur ein Drittel der Emissionsreduktionen, die bis 2030 nötig wären, um die schlimmsten Folgen der Erderhitzung zu vermeiden.

Obwohl die gesteckten Klimaziele bis 2030 nicht reichen, gibt es einen Lichtblick: Der weltweite Ausstoß des bedeutendsten Treibhausgases CO2 von nun 35,8 Gt sei in den vergangenen drei Jahren relativ stabil geblieben. Ein Teil der Stabilisierung komme durch den Ausbau der erneuerbaren Energien vor allem in China und Indien. Wenn weiter Kohlekraftwerke gebaut würden, könne der Ausstoß jedoch schnell wieder nach oben gehen.

 Vermeidung von Waldzerstörung

Der UNEP-Report zeigt auch konkrete Wege, wie Länder kostengünstig CO2 einsparen können. Erneuerbare Energien, mehr Energieeffizienz, Aufforstung und Vermeidung von Waldzerstörung könnten mit geringen Kosten umgesetzt werden oder sogar Gewinne bringen.