Wien. Auch im Gehirn hinterlässt die Zeit ihre Spuren. Allerdings haben Frauen einen Vorteil: Sie bleiben im Kopf länger jung. Ihre Denkorgane haben ein anderes Alter als ihre Körper, berichten US-Forscher der Washington University Medical School. Ihnen zufolge schrumpft das Gehirn mit dem Alter, jedoch bei ihm schneller als bei ihr.

Die im Fachjournal "Proceedings of the National Academy of Sciences" publizierte Studie zum Gehirn-Metabolismus könnte Hinweise geben, warum ältere Frauen in Tests zu Problemlösung, Gedächtnis und Ratio zumeist besser abschneiden: Ihre Denkorgane sind jünger als jene von Männern desselben Alters. "Wir stehen am Beginn eines Fachgebiets, in dem untersucht wird, ob die Geschlechterunterschiede die Alterung des Gehirns beeinflussen und inwiefern dies die Anfälligkeit für neurodegenerative Erkrankungen senken oder steigern kann", wird Studienautor Manu Goyal in einer Aussendung seiner Universität zitiert.

Unser Oberstübchen ernährt sich von Zucker. Wie es den Zucker verstoffwechselt, ändert sich mit den Jahren. Babys verarbeiten ihn in einem Prozess namens aerobische Glykolyse, die Gehirnentwicklung und -wachstum ermöglicht. Der restliche Zucker wird bei Denkleistungen und Aktivitäten im Lauf des Tages verbrannt. Ab dem Teenager-Alter nimmt die aerobische Glykolyse langsam ab und pendelt sich ab etwa 60 Jahren auf einem sehr niedrigen Niveau ein.

Radiologe Manu Goyal und seine Kollegen haben an 121 Frauen und 84 Männern im Alter von 20 bis 82 Jahren untersucht, wie ihre Gehirne Zucker verwerten. Mit Hilfe des bildgebenden Verfahrens der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) wurden Ströme von Stauerstoff und Glukose in den Gehirnen der Testpersonen erfasst. Für jede Person wurde ermittelt, welcher Zuckeranteil für die aerobische Glykolyse verwertet wurde.

Ein selbstlernender Algorithmus wurde trainiert, Zusammenhänge zwischen Alter und Gehirn-Metabolismus zu finden. Dazu fütterte das Team der Maschine die entsprechenden Daten der Männer. Dann gab es dem Computer die Metabolismus-Daten der Frauen und ließ ihn daraus deren Alter errechnen. Rein aus dem Stoffwechsel ihrer Denkorgane schloss der Computer, dass die Frauen um 3,8 Jahre jünger sein müssten als ihr chronologisches Alter. Bei der umgekehrten Analyse errechnete er, dass Männer um 2,4 Jahre älter sein müssten.

Die relative Jugend ihrer grauen Zellen trat sogar bei den jüngsten Studienteilnehmerinnen zutage. Nun wollen die Forscher nach eigenen Aussagen ergründen, warum dem so ist. Denn eine Erklärung für den Unterschied haben sie derzeit noch nicht.